Leineweberhochzeit-Musical

Mehr Informationen unter männerchor-ochtrup.de

Leineweberhochzeit in Ochtrup

Historische Leineweberhochzeit am 11. September 2010 ab 13.30 Uhr mit Trauungszeremonie an der St. Marienkirche, Festumzug in der Innenstadt von Ochtrup mit Leineweberhochzeitspaar und Gästen, öffentlicher Hochzeitsfeier ab 18.00 Uhr mit Buffet, Musik und Tanz in der Stadthalle Ochtrup.
Eintritt frei.

Leineweberhochzeit zu Ochtrup von Henrich Arnold Volckeri, Leinen- und Kaufhändler zu Ochtrup und Anna Margaretha Caesem, Töpferstochter und Nachfahrin des Glockengießers Henrich Caesem zu Münster.

Veranstaltung des Arbeitskreises Heimatkunde vom Heimatverein Ochtrup e.V. mit Unterstützung der Stadt Ochtrup.

Die Leineweberhochzeit - Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen

Sie haben Ja gesagt: 400 Aktive in historischen Trachten, Kutschen, Tanzgruppen, Musik und zahlreiche Zuschauer begleiteten das Leineweberpaar am Sonntag bei seinem Hochzeitsumzug durch den Ochtruper Ortskern. Foto: Martin Schlak

Ochtrup, 11.09.2010 - Ein blauer Spätsommerhimmel wölbte sich Samstagnachmittag über Ochtrup und die Sonne schickte strahlende Grüße hinunter auf die Hochzeitsgesellschaft. 400 Hochzeitsgäste in historischen Trachten und viele Zuschauer waren dabei, als sich der Leineweber Henrich Arnold Volckeri (Tobias Konert) und die Tochter des wandernden Glockengießers und Urenkelin des Ochtruper Töpfers Anna Margaretha Caesem (Lisa Schneider) auf dem Kirchplatz von St. Marien zunächst vor dem Standesbeamten (Kai Hutzenlaub) und danach vor den kirchlichen Würdenträgern Pastor Tigges (Josef Wichmann) seinem evangelischen Kollegen (Albrecht Philipps) und dem Vikar (Ludger Bügener) das Ja-Wort gaben.

Der Heimatverein Ochtrup hatte sein 111-jähriges Bestehen zum Anlass genommen, um nach siebenjähriger Pause ein zweites Mal eine Leineweberhochzeit anno 1850 in der Töpferstadt zu feiern. Lang war die Liste der Hochzeitsgäste, die der Heimatvereinsvorsitzende Klaus Tömmers willkommen hieß. Heimatvereine aus der Region, Musikkapellen und die vielen Ochtruper Heimatfreunde, die als Verwandte, Nachbarn, Köchinnen, Müller, Leineweberkinder, Poalbüörger, Händler, Kiepenkerle, Feuerwehrleute und Vertreter alter Handwerkszunft bei dem Schauspiel mitwirkten. Auch Familie von Buchholtz von Haus Welbergen (Kai und Andrea Uffelmann), die Äbtissin von Langenhorst und ihre Stiftsdame (Irene Herding, Helga Leusder) sowie der reiche Onkel aus Amerika mit seiner Gattin (Dr. Peter Eckardt, Christa Lenderich) gaben sich die Ehre.

Die Regie dieses historischen Ereignisses führten der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatkunde Egon Bode und seine Frau Agnes. Für ihr Engagement sprach Tömmers ihnen am Samstag mehrmals Dank und Anerkennung aus und betonte: „Agnes Bode ist die Mutter der Leineweberhochzeit.“

Als der historische Trachtenumzug durch die Stadt zog, säumten zahlreiche Menschen die Straßen und erlebten imposante nostalgische Augenblicke. In der Fußgängerzone mischten sich die Hochzeitsgäste in ihren eleganten Trachten unter die Passanten der Jeans- Generation. Die Musikkapellen ließen Pauken und Trompeten erklingen und das Volk tanzte und schunkelte zum Takt der Musik. Vergangenheit und Gegenwart waren miteinander verschmolzen und das setzte sich bei der Hochzeitsfeier am Abend in der Stadthalle fort.

Die Veranstaltung verlief ohne größere Zwischenfälle. Eine Schrecksekunde gab es während des Zuges, als kurz vor dem Rathaus die Pferde vor der Kutsche des Brautpaares durchgingen. Verletzt wurde niemand. Das Brautpaar stieg in ein anderes Gefährt um - und das Volksfest ging weiter.

Fotostrecke Leineweberhochzeit zu Ochtrup Anno 1850
foto.tageblatt-online.de/fotostrecke/Ochtrup Leineweberhochzeit_Umzug_durch_die_Stadt


Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Irmgard Tappe


Weitere Informationen, Beiträge und Filme finden Sie unter www.ochtrup.de

 

Sie sagen Ja - wie einst

Sie heiraten am morgigen Samstag - aber nur zur Schau. Lisa Schneider aus Münster und Tobias Konert aus Ochtrup spielen das Brautpaar bei der Leineweberhochzeit. Foto: Chris Tettke

Ochtrup, 09.09.2010 - In Düsseldorf war sie schon zu sehen, in Münster, Hamm, Paderborn und Wuppertal auch. Jetzt kehrt die Leineweberhochzeit in ihre Heimat zurück. Am morgigen Samstag, 11. September 2010 erlebt der Exportschlager des Arbeitskreises Heimatkunde eine Neuauflage in Ochtrup. Fast auf den Tag genau sieben Jahre nach der Premiere am 13. September 2003. Damals säumten Tausende die Straßen, um die Hochzeit und den Festzug in den alten Trachten der Kiepenkerl- und Weberzeit mitzuerleben.

Das Spektakel spielt um 1850. Ein Leineweber wird mit der Tochter eines Töpfers vermählt. Zwei Berufe, die in Ochtrup lange prägend waren. Wer die beiden Hauptakteure darstellen würde, war über Monate eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Stadt. Erst vor wenigen Wochen wurde es gelüftet: Der Ochtruper Tobias Konert (21) und die Münsteranerin Lisa Schneider (19) stehen im Mittelpunkt des Geschehens - als Henrich Arnold Volckeri und Anna Margaretha Caesem.

Um 13.30 Uhr beginnt die Trauzeremonie an der Marienkirche mit einem ökumenischen Festgottesdienst. Anschließend setzt sich der Zug mit über 400 Teilnehmern - zu Fuß und in Kutschen - in Bewegung. Über mehrere Kilometer geht es durch die Innenstadt. Viele Trachten-, Nostalgie- und Heimatgruppen aus der Region sind dabei. Begleitet werden sie von mehreren Musikkapellen. An der Lambertikirche gibt es einen Zwischenstopp mit Tanzeinlagen.

Gegen 17.30 Uhr wird die Festgesellschaft an der Stadthalle erwartet. Dort steigt abends die Hochzeitsfeier für alle. Stilecht mit Hochzeitssuppe und Münsterländer Zwiebelfleisch.

Es sind verschiedene Parkplätze für auswärtige Besucher eingerichtet. Eine Übersicht findet sich auf der Internetseite der Stadt Ochtrup. Dort gibt es auch einen Plan mit dem genauen Weg des Festzuges.

(Pläne auch hier auf der Internetseite)

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Anne Eckrodt

Übersicht Festumzug Leineweberhochzeit 2010
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Übersicht Parkplätze Leineweberhochzeit 2010
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Endspurt für die Leineweber

Erinnerungen an 2003: Damals feierte die Leineweberhochzeit - und mit ihr diese drei Leineweberkinder - ihre erfolgreiche Premiere in Ochtrup. Foto: (Archiv)

Ochtrup, 01.09.2010 - Der Countdown läuft. In zehn Tagen, am 11. September (Samstag), erlebt die Leineweberhochzeit eine Neuauflage - nach der Premiere 2003. Tausende Besucher erwartet der Arbeitskreis Heimatkunde an dem Tag in Ochtrup. Mit Hochdruck arbeiten die vielen ehrenamtlichen Helfer zurzeit an den letzten Vorbereitungen.

40 Hüte hat Agnes Bode in den vergangenen Monaten angefertigt, 30 neue Kleider für die Leineweberkinder genäht, weil aus den Steppkes von einst inzwischen junge Damen geworden sind. Hier und da muss noch eine Spitze angebracht werden, ansonsten sind die Trachten und Kostüme fertig. „Ohne die Unterstützung der zahlreichen Frauen aus dem Arbeitskreis wäre das nicht zu schaffen gewesen“, betont Agnes Bode. Einen kurzen Moment des Schreckens erlebte sie am Wochenende: Teile der Trachten lagerten im Spieker in Langenhorst. „Glücklicherweise ist dort aber alles trocken geblieben“, berichtet Egon Bode, Vorsitzender des Arbeitskreises Heimatkunde.

Über 400 Teilnehmer haben sich bei ihm für die „Hochzeit des Jahres“ angemeldet. „Das wird wieder ein imposanter Zug“, ist Egon Bode überzeugt. Zum Auftakt findet um 13.30 Uhr die standesamtliche Zeremonie an der Marienkirche statt, gefolgt von einem ökumenischen Gottesdienst. Danach startet der Festzug mit dem Leineweberpaar - dargestellt von Lisa Schneider und Tobias Konert - sowie deren Gästen durch die Innenstadt. Bevor die Festgesellschaft gegen 17.30 Uhr die Stadthalle erreicht, präsentiert sie sich an der Lambertikirche. „Dort wird getanzt, die Besucher können sich die Trachten ansehen, und zwar in aller Ruhe. Denn diesmal lassen wir uns dabei mehr Zeit“, kündigt Egon Bode an. Das letzte Stück des zweiten Umlaufs durch die Weinerstraße zur Lambertikirche werden alle zu Fuß zurücklegen. Die Kutschen sind aus Sicherheitsgründen dann nicht mehr dabei. Über die Berg-/Bültstraße legt die Hochzeitsgesellschaft anschließend die letzten Meter bis zur Stadthalle zurück.

„Dort gibt es einen kurzen offiziellen Teil mit ein paar Reden und Grußworten“, kündigt Klaus Tömmers, Vorsitzender des Heimatvereins, an. Und Christian Engelmann von der Stadt Ochtrup ergänzt: „Der Abend soll eine Feier für alle werden, jeder ist eingeladen mitzumachen.“ Das Sitzplatzkontingent in der Halle ist zwar begrenzt und während des offiziellen Teils für die Teilnehmer des Festzuges sowie die Ehrengäste reserviert, doch sowohl im Foyer als auch draußen vor der Halle gibt es Essens- und Getränkestände. Serviert werden zur Leineweberhochzeit passende Münsterländer Spezialitäten. Das Geschehen in der Halle, zu dem auch ein Holzschuhtanz der Leineweberkinder und der Schleiertanz des Brautpaares gehören, wird über Lautsprecher auf das Außengelände übertragen.

Die Stadt Ochtrup hat den Weg des Festzuges auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Dort findet sich auch eine Übersicht der Parkplätze, die für die Besucher der Leineweberhochzeit zur Verfügung stehen. Egon Bode appelliert jedoch an die Ochtruper, möglichst mit dem Fahrrad oder zu Fuß in die Innenstadt zu kommen: „Dann können die auswärtigen Besucher die Parkplätze nutzen.“

Was wäre eine traditionelle Hochzeit im Münsterland ohne Rosen? 10000 davon haben zahlreiche Gruppen in den vergangenen Monaten hergestellt. Am 9. September (Donnerstag) ist die ganze Bevölkerung eingeladen, sich am Schmücken der Innenstadt zu beteiligen. Die Wandergruppe koordiniert das Ganze, Treffpunkt ist um 16 Uhr die Marienkirche. Der Schützenverein Weiner, zu dem der Bräutigam gehört, sorgt für das Grün.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Anne Eckrodt

Leineweber: Geheimnis ist gelüftet

Ochtrup, 13.08.2010 - Jetzt ist es raus, wer sich am 11. September (Samstag) bei der Leineweberhochzeit das Ja-Wort gibt. Gestern lüftete Egon Bode vom Arbeitskreis Heimatkunde des Heimatvereins das Geheimnis: Der Ochtruper Tobias Konert (21) und die Münsteranerin Lisa Schneider (19) sind die Hauptdarsteller des Volksfestes. Seit einigen Tagen hängt das Foto des Paares in den Ochtruper Geschäften - als Werbung. Doch die Namen waren weiter geheim.

Zum 111. Geburtstag des Heimatvereins kehrt der Exportschlager wie berichtet wieder in die Töpferstadt zurück. In den vergangenen Jahren führte der Verein die Hochzeit, die im Jahr 1850 spielt, unter anderem in Düsseldorf, Wuppertal und Hamm auf. Zum ersten Mal fand sie 2003 in Ochtrup statt. Die Neuauflage wird noch einen Schritt größer - und historisch fundierter. Egon Bode hat die historischen Fakten zu einer Geschichte verwoben, wie sie 1850 passiert sein könnte.

Konert und Schneider spielen den Leinenhändler Henrich Arnold Volckeri und die Töpferin Anna Margaretha Caesem, Nachfahrin des Glockengießers Henrich Caesem zu Münster. Die Geschichte, die Personen - „alles sind historische Tatsachen. Wir haben Urkunden, die das belegen“, sagt Egon Bode.

Konert, der in Münster Bauingenieurwesen studiert, blickt schon mit Vorfreude auf die Hochzeit. „Mit gefällt das ganze Ambiente“, sagt er. In Hamm hat er im Juni 2009 schon mitgespielt - in diesem Jahr wird es ein Heimspiel. „Das ist natürlich aufregender, weil mich hier viele erkennen“, glaubt der 21-Jährige, hat davor aber keine Scheu.

Seine Braut Lisa Schneider - die beiden sind im wirklichen Leben kein Paar - wurde nur durch Zufall zur Leineweber-Frau. Kurz vor der letzten Aufführung in Hamm war die eingeplante Darstellerin abgesprungen. Agnes Bode wandte sich an Schneider. Deren erste Reaktion: „Nein, das mache ich auf keinen Fall.“ Dann probierte sie Kleid und Schleier an - war begeistert und sagte zu.

Hamm war die Generalprobe. Jetzt wird es langsam ernst - die Neuauflage steht kurz vor der Tür. Schon am letzten Wochenende im August soll das Spektakel in Münster losgehen. „Wir planen, dass die Braut dort mit der Kutsche und über 1000 Rosen vor der Lamberti-Kirche abgeholt wird“, sagt Egon Bode. Noch liegt die Erlaubnis der Stadt Münster nicht vor, die Entscheidung soll bald fallen. „Es wäre eine super Werbung für uns“, sagt Egon Bode.

Spätestens am 11. September steht das Leineweberpaar dann im Rampenlicht. Der Zug durch Ochtrup startet um 13.30 Uhr an der Marienkirche und führt mehrere Kilometer lang durch die Stadt. Am Schluss geht es durch die Fußgängerzone zur Lamberti-Kirche und weiter zur Stadthalle. Dort steigt die Hochzeitsfeier.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Martin Schlak

Die Geschichte zur Leineweberhochzeit

Ochtrup, 13.08.2010 - Egon Bode, Organisator der Traumhochzeit, hat die historischen Hintergründe mit ein wenig Fiktion zu einer Geschichte verwoben - so könnte es 1850 gewesen sein: Damals soll Henrich Arnold Volckeri seinen Großvater um Rat gefragt haben, weil er sich „unsterblich verliebt habe“, heißt es in der Geschichte.

Die Angebetete war Anna Margaretha Caesem, Kind des Wanderglockengießers Henricus Caesem. Das Problem: Anna Margaretha war ein uneheliches Kind. Und das machte die Heirat nicht gerade einfacher. Dennoch klappte es mit der Zustimmung von Volckeris Eltern. Denn der Urgroßvater des Mädchens, Ludwig Pott, betrieb eine Töpferei. Er war nicht nur irgendein Töpfer, sondern hatte etwas Besonders zu bieten. „Der alte Pott wurde mit einer Dröppelminna, einer Aufguss-Kaffeekanne, bekannt“, schreibt Bode in der Geschichte. Diese Kanne ist heute in einem Museum in Telgte zu sehen. „Wir haben einige Exemplare nachbauen lassen“, sagt Bode. Sie stehen am 11. September mit auf dem Hochzeitstisch.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Martin Schlak

Das ist ein Meisterstück

Der neue Gehrock für den Bräutigam der Leineweberhochzeit - edel und maßgeschneidert. Foto: Tappe

Ochtrup, 03.08.2010 - „Die Knöpfe habe ich einzeln mit Knopflochseide bestickt und dann per Handarbeit überzogen“, sagt Paula Niesing und stellt den neuen Gehrock des Leineweber-Bräutigams vor. Ein maßgeschneidertes Modell aus ungebleichtem altem Leinen. „Das ist ein Meisterstück für unsere Leineweberhochzeit am 11. September“, meint Agnes Bode. Sie ist von dem Werk der 80-jährigen Maßschneiderin ebenso beeindruckt wie ihr Mann Egon und der Heimatvereinsvorsitzende Klaus Tömmers.

Der neue Gehrock war erforderlich, weil der jetzige Leineweberbräutigam eine andere Konfektionsgröße hat als sein Vorgänger. „Natürlich sollte das gute Stück aus altem Leinen sein. Möglichst ungebleicht“, meint Egon Bode. Also machte sich der Arbeitskreis Heimatkunde auf Leinen-Schatzsuche, was sich als recht mühsam erwies. „Wer hat denn heutzutage noch alten Leinen im Schrank“, bemerkt Bode. Doch das Problem löste sich nach einem Gespräch zwischen Agnes Bode und der Seniorin von Gut Lüttinghaus, Inge Laurenz, die obendrein eine Verwandte der Textilfamilie Laurenz ist. Inge Laurenz erzählte, dass sie noch einen Leinenballen von anno dazumal im Schrank habe, und den würde sie dem Heimatverein gerne zur Verfügung stellen. Das Rohleinen stammt aus einer Zeit, als man in Ochtrup Flachs anbaute, der nach der Ernte bearbeitet, gesponnen und am Webrahmen zu Stoff verarbeitet wurde.

„Wir waren überglücklich. Auch Inge Laurenz hat sich riesig gefreut, als wir ihr erzählten, was wir mit dem Leinen vorhaben. Und jetzt ist so etwas Wunderbares daraus geworden“, sagt Agnes Bode, während Paula Niesing ihr den fertigen Gehrock des Leineweberbräutigams reicht.

Es ist nicht das einzige maßgeschneiderte Modell, das die Schneidermeisterin für die bevorstehende Leineweberhochzeit angefertigt hat. Drei Damenkleider im Stil der Festmode von vor 200 Jahren hängen ebenfalls fix und fertig auf dem Kleiderbügel. „Die werden Frau Tömmers, Frau Hutzenlaub und Frau Uffelmann tragen“, verrät Agnes Bode und schiebt ein begeistertes „traumhaft schön“ hinterher.

Damit hat sie nicht übertrieben. Mit aufwändigen Smokarbeiten sowie Plissee und Spitze - raffiniert eingearbeiteter - hat jedes Kleid eine eigene Note. Paula Niesing hat die drei Kreationen eigenhändig und individuell entworfen. Vom Schnittmuster bis zum fertigen Modell. Oft saß sie bis spätabends in ihrer Nähwerkstatt und nähte an den Festkleidern. „Das hat mir nichts ausgemacht. Im Gegenteil. Es hat mir viel Freude bereitet, für diese drei Damen zu arbeiten“, winkt sie ab.

Die ehrenamtlich engagierten Näherinnen und Stickerinnen aus dem Arbeitskreis Heimatkunde arbeiten ebenfalls mit Hochdruck an den Trachten für die Hochzeitsgesellschaft. „Dieses Mal sind mehr Leute im Umzug als vor fünf Jahren. Da reichte unser alter Trachtenbestand nicht aus“, erzählt Egon Bode.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Irmgard Tappe

„Ja” des Jahres am 11. September 2010

Leineweberhochzeit beim Bistumsjubiläum in Münster: Der damalige Weihbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, heute Bischof von Limburg, unterhielt sich mit dem Brautpaar Jutta Bode und Markus Vogt. Foto: Chris Tettke

Ochtrup, 04.06.2010 - Es ist das „Ja“ des Jahres: Am 11. September (Samstag) findet in Ochtrup anlässlich des 111. Geburtstag des Heimatvereins eine Leineweberhochzeit statt - nicht am 4. September (Samstag), wie das Tageblatt versehentlich am Donnerstag berichtete („Rosen für die Hochzeit des Jahres“). An letzterem Datum hätte es beinahe ein zweites Großereignis in Ochtrup gegeben: einen Tag mit dem Radiosender WDR 2 und - unter anderem - ein Nena-Konzert. Aber die singt ja nun in Nettetal . . .

Erstmalig seit 2003 findet die Leineweberhochzeit wieder in Ochtrup statt. Damals strömten rund 10 000 Besucher in die Stadt, um sich 150 Jahre zurückversetzen zu lassen. Die Festlichkeiten am 11. September werden um 13.30 Uhr beginnen, gab jetzt der zweite Vorsitzende des Heimatvereins und Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatkunde, Egon Bode, bekannt. Wer am Jubiläumstag das Brautpaar bildet, wird hingegen noch nicht verraten.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt

10 000 Rosen für die Hochzeit des Jahres

Ganz in Weiß: In den Ochtruper Seniorenzentren und -begegnungsstätten entstehen zurzeit die Rosen für die Leineweberhochzeit im September. Unser Bild zeigt das Rosenmachen in der Atrium-Wohnanlage. Foto: Nils Huckebrink

Ochtrup, 02.06.2010 - 10000 Rosen sind nicht mal eben so gemacht. Deshalb hat sich der Heimatverein Unterstützung geholt. In diesen Wochen wird in den Ochtruper Seniorenbegegnungsstätten und -zentren fleißig gewerkelt, damit sich die Stadt zur Leineweberhochzeit am 11. September (Samstag) ordentlich herausputzen kann. „Die Unterstützung ist toll“, freut sich Egon Bode, Leiter des Aktionskreises des Heimatvereins, über die Zusammenarbeit. Die Senioren haben zudem zugesagt, beim Anstecken der weißen Blumen aus Krepppapier zu helfen. „Wir haben uns bewusst für einfarbige Rosen entschieden, schließlich ist die ganze Stadt am Tag der Leineweberhochzeit bunt“, berichtet Egon Bode.

Die Frauen des Aktionskreises sind zurzeit dabei, jede Menge Hüte zu machen. 400 Darsteller sind beim Leineweberumzug dabei. Reichlich Arbeit für die ehrenamtlichen Kräfte. „Wir haben auch viele junge Leute dabei“, freut sich Egon Bode über das Interesse aller Generationen an der Leineweberhochzeit.

Die ist diesmal sogar grenzüberschreitend, und das in doppelter Hinsicht. So sorgt unter anderem die niederländische Musikgruppe „Tukkers“ am 4. September für Stimmung beim Festumzug durch die Straßen, und zwar in Tiroler Trachten. Als Agnes Bode das hörte, fielen ihr spontan ähnliche Stücke aus ihrem üppigen Kleidungsfundus ein. „Mit diesen Trachten statten wir nun einige Frauen aus, die dann als Familie der Braut bei der Leineweberhochzeit dabei sind“, berichtet Egon Bode.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Anne Eckrodt

Die Nähmaschinen laufen heiß

Drei der fleißigen Näherinnen des Heimatvereins, Irmgard Dirksen (2.v.l.), Christa Feldevert (3.v.l.) und Adele Köllmann (5.v.l), mit Egon Bode (4.v.l.) und Agnes Bode (2.v.r.). Judith Waltermann (l.), Dr. Peter Eckhardt (4.v.r.), Anja Reidegeld (3.v.r.) und Bürgermeister Kai Hutzenlaub laufen und spielen am 11. September ebenfalls mit. Foto: Martin Schlak

Ochtrup, 16.03.2010 - Das Drehbuch steht. Nur einige Regieanweisungen fehlen noch. Und die Namen der beiden Hauptdarsteller. „Wir haben unser Brautpaar schon lange gefunden“, sagt Egon Bode. Zur Anprobe waren die zwei bereits da. Ihre Kostümen sitzen. Soviel verrät Bode. Doch wer der Leineweber und die Töpferstochter sind, die sich am 11. September das Ja-Wort geben werden, das gibt er nicht preis.

Es ist ein Geheimnis, das der Heimatverein erst kurz vorher lüften will. Zu seinem 111. Geburtstag führt er die Leineweberhochzeit auf - erstmals seit 2003 wieder in Ochtrup. Alles soll originalgetreu wie vor 150 Jahren ablaufen. Die Vorbereitungen des 25-köpfigen Arbeitskreises des Heimatvereins um Egon Bode laufen auf Hochtouren. Das wurde bei einem Pressetermin am Montag deutlich.

Auch wenn die beiden Hauptpersonen eingekleidet sind, bleibt für die sechs Näherinnen noch genug Arbeit. Margret Pahrberg, Maria Issinghoff, Margret Sünker, Paula Niesing, Christa Feldevert und Irmgard Dirksen sind derzeit fast pausenlos im Einsatz. Adele Köllmann unterstützt die Frauen bei den Stickarbeiten. Die Fäden laufen bei Agnes Bode zusammen. „Ohne das ehrenamtliche Engagement dieser Frauen wäre es unmöglich, die Veranstaltung durchzuführen“, sagt sie.

Auch wer nur eine Nebenrolle spielt, kommt an den acht Ochtruperinnen nicht vorbei. Am Montag nahm Christa Feldevert die Maße des Sparkassen-Vorstandsvorsitzen Dr. Peter Eckhardt. „Er spielt einen Onkel aus Amerika“, skizziert Egon Bode die Rolle. Eckhardt wird einen Gehrock tragen - genau wie Bürgermeister Kai Hutzenlaub, der den Standesbeamten spielt, und der Erste Beigeordnete Kai Uffelmann, der den Amtmann verkörpert.

„Ungefähr 40 Stunden Arbeit stecken in einem solchen Anzug“, schätzt Feldevert. Nicht alle Kostüme fa-brizieren die Frauen für die anstehende Leineweberhochzeit neu. „Das wäre unbezahlbar“, sagt Agnes Bode. „Wir ändern auch moderne Kleider ab oder passen die alten Schätzchen an die Mitspieler an.“ Letzteres ist manchmal gar nicht so einfach. „Die Gehröcke, die aus dieser Zeit stammen, sind so eng, da passt heute kaum noch einer rein“, erzählt Bode.

In diesem Jahr sollen die Requisiten noch ein bisschen näher am Original sein als in den letzten Jahren, in denen der Verein mit der Hochzeit durch NRW tourte. Auch eine ehemalige Hutmacherin haben die Heimatfreunde gefunden: Mechthild Hartmann-Mahler wird für die passenden Kopfbedeckungen sorgen. Bürgermeister Kai Hutzenlaub bekam am Montag probeweise schon einmal einen schwarzen Hut aufgesetzt.

Die meisten Nebenrollen sind verteilt. Dennoch können sich Heimatfreunde, die Lust haben, mitzumachen, noch bei Egon Bode melden. „Wir suchen gerade auch junge Leute“, sagt er. Einer der jüngsten Teilnehmer wird wohl Hutzenlaubs Sohn Conrad sein, der im Moment zehn Monate alt ist. „Auch er wird Trachten tragen“, sagt der Bürgermeister.

Die Vorfreude auf die Leineweberhochzeit ist groß. Das Fest soll wieder Tausende Besucher in die Innenstadt ziehen. 300 Menschen in Originaltracht und acht Kutschen werden für das nötige Ambiente sorgen. Viele umliegende Heimatvereine haben ihre Teilnahme zugesagt.

Damit alles passt, muss der Arbeitskreis dem Drehbuch der Leineweberhochzeit in den nächsten Monaten noch den Feinschliff geben. Die Marschroute der Hochzeitsgesellschaft steht noch nicht fest. „Wir würden gerne auch das EOC-Center einbinden“, sagt Egon Bode. Ein ökumenischer Gottesdienst mit dem katholischen Pfarrer Josef Wichmann und seinem evangelischen Kollegen Albrecht Philipps ist geplant. Am Abend veranstaltet der Heimatverein dann die Hochzeitsfeier in der Stadthalle. Die Musik kommt von der Ochtruper Gruppe „Stüwwenköppe“. Musik, die allerdings etwas jünger ist als 150 Jahre.

Tagbelatt für den Kreis Steinfurt
von Martin Schlak

Rückkehr der Traumhochzeit

So sah es 2003 aus: Tausende säumten die Straßen der Innenstadt, um dem Leineweberpaar mit den Darstellern Jutta Bode und Thomas Volkery und der Hochzeitsgesellschaft in den alten Trachten zuzujubeln. Foto: Tagbelatt für den Kreis Steinfurt

Ochtrup, 21.11.2009 - Sie ist so etwas wie der Ochtruper Superstar, hat sich zum Exportschlager entwickelt und eine sechsjährige Tournee absolviert - jetzt kehrt sie in ihre Heimat zurück: Am 11. September 2010 wird in Ochtrup wieder Leineweberhochzeit gefeiert. Diesen Termin gab jetzt der Heimatverein bekannt.

„Viele haben uns gefragt: Ihr seid so viel unterwegs, warum macht Ihr es nicht wieder in Ochtrup?“, erklärte Klaus Tömmers, Vorsitzender des Heimatvereins, jetzt bei einem Gespräch mit dem Tageblatt. Wie berichtet, hatte die Aufführung in den alten Trachten der Kiepenkerl- und Weberzeit in den vergangenen Jahren schon in Düsseldorf, Münster, Wuppertal und Hamm für Furore gesorgt, unter anderem bei den NRW-Tagen. Egon Bode, Vorsitzender des Arbeitskreises Heimatkunde im Heimatverein - eine Gruppe, die maßgeblich an der Leineweberhochzeit beteiligt ist - lieferte die Begründung für die späte Wiederaufführung in Ochtrup nach: „Man kann es einfach nicht jedes Jahr machen.“ Vor Ort ist der Aufwand schlicht deutlich größer, weil die organisatorischen Aufgaben vielfältiger sind.

Beinahe auf den Tag genau sieben Jahre wird es her sein, wenn sich Braut und Bräutigam im nächsten Jahr in ihren schicken Trachten das Ja-Wort geben. Am 13. September 2003 feierten Tausende Besucher die Leineweberhochzeit im Rahmen der Aktion „Ab in die Mitte“, die auch jetzt - Jahr später - noch immer als eines der besten Ochtruper Volksfeste der vergangenen Jahrzehnte eingestuft wird.

„Es ist auch ein schöner Zeitraum, wenn es alle sieben Jahre stattfinden würde“, meint Kai Uffelmann, Erster Beigeordneter der Stadt Ochtrup, die zusammen mit dem Heimatverein und dem Arbeitskreis Heimatkunde als Veranstalter auftreten wird. Aber tatsächlich gibt es auch einen ganz besonderen Anlass für das Fest: der Heimatverein wird 111 Jahre alt.

„Die Unterstützung, die wir jetzt erfahren, ist toll. Die mussten wir uns vor sechs Jahren noch schwer erarbeiten“, sagte Egon Bode. Fest steht: Fast alle, die damals dabei waren und auch im Hintergrund gewirkt haben, wollen wieder mitmachen. Neu sind zwei lokale Prominente: Bürgermeister Kai Hutzenlaub und auch Kai Uffelmann werden in Trachten mitgehen. Die Näharbeiten haben bereits begonnen. Zahlreiche weitere Kontakte, unter anderem zu den Kapellen und zu Trachtengruppen aus den Nachbarorten, sind bereits geknüpft.

Der Ablauf der Leineweberhochzeit steckt noch in der Planung. Die Idee ist, dass es um 14.30 Uhr losgeht. Die Zeremonie könnte an der Lambertikirche gefeiert werden. Danach zieht die Hochzeitsgesellschaft mit einigen Schwenks, Stopps und Tanzeinlagen durch die Stadt. Zum Abschluss treffen sich wieder alle in und an der Stadthalle.

„Alle Ochtruper können mitfeiern“, betont Egon Bode, „es soll ein großes Volksfest werden.“ Und es scheint sicher, dass viele kommen, denn der Heimatverein hat recherchiert: Am 11. September 2010 gibt es bisher keine Parallelveranstaltung in der Stadt.

Ach ja: Sie wollen noch wissen, wer diesmal das Leineweber-Brautpaar spielt? Da besteht zurzeit leider keine Chance: Es dürfte etwa bis Januar eines der am besten gehüteten Geheimnisse im Heimatverein sein ...

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Andreas Löbbe

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