Wasserburg Haus Welbergen

Geschichte von Haus Welbergen

Die Wasserburg Welbergen liegt inmitten von hohen Bäumen umkränzten Gräften und kann als Musterbeispiel eines mittelgroßen Adelssitzes dieses Typs im Münsterland gelten.

Ihre Ursprünge reichen bis wenigstens ins 13. Jahrhundert zurück. 1282 werden die Herren von Welbergen das erste Mal urkundlich genannt. Sie waren bis 1339 Besitzer der Burganlage, dann ging sie an die Herren von Blome über, 1505 durch Heirat an Morbeck von Oldenhuis. Nach mehrmaligem Wechsel kam die Anlage schließlich an Richter Roje aus Metelen und über Erbschaft an die Familie Buchholtz, die das Haupthaus durchgreifend umbaute und in der Form gestaltete, wie es bis heute überliefert ist.

Die Wasserburg Haus Welbergen besteht besteht in klassischer Weise aus Vor- und Hauptburg und ist von einem Gräftenring umgeben, der vom vorbeifließenden Gauxbach gespeist wird. Das ganz von Wasser umgebene Haupthaus ist lediglich vom Wirtschaftshof aus über eine schmale Brücke zugänglich. Im Wirtschaftshof selbst sind östlich Ställe und Wirtschaftsgebäude angeordnet. Diesen gegenüber liegt der Garten, der zu den Gräben hin von einer Mauer, begrenzt von runden Ecktürmchen, abgeschlossen wird. In der Mitte dieser Mauer wurde zudem die Kapelle mit einem quadratischen Turm angelegt. So erinnert die Burg in ihrem Grundriss an „kastellartige“ Anlagen des Mittelalters. Diese Form erhielt die Anlage jedoch im wesentlichen erst unter Christian von Oldenhues, der insbesondere das Haupthaus zwischen 1560-1570 durchgreifend erneuern ließ.

Das barocke Haupthaus

Das Haupthaus macht auf den ersten Blick den Eindruck enes barocken Gebäudes aus „einem Guss“. Aber bei genauerem Betrachten zeigen sich zahlreiche Baunähte, die die verschiedensten Bauphasen deutlich machen. Der Ursprung des Backsteinhauses liegt im südlichen Abschnitt. Hier zeigen sich auf dem Ostgiebel im Erd- und Obergeschoß vermauerte Fenster, ehemals von Sandsteingewänden gerahmt und in der Mitte waagerecht geteilt. Weiter weisen zwei vermauerte Fenster knapp über dem Sockel auf die nur in diesem Gebäudeabschnitt anzutreffende Unterkellerung hin. Dieses erste Gebäude muß seinen Formen nach spätestens um 1500 entstanden sein.

Christian Oldenhues erweiterte das Haupthaus in den Jahren 1560-1570 nach Westen hin und konzipierte die Giebel zeittypisch als Dreistaffelgiebel, aufgelockert durch kleine auf Lücke gesetzte Öffnungen und Taubenlöcher. Die Längsfassaden wurden durch axial angeordnete Fenster symmetrisch gestaltet, diese eigentlich vertikale Gliederung aber durch horizontale, leicht auskragende Sandsteingesimse wieder aufgehogen. Etwas außermittig legte er auf hofseitiger Front ein Treppenhaus an.

Die Umgestaltung, die Heinrich Franz Buchholtz ab 1730 einleitete, behielt die Proportionen des Gebäudes und die Gliederung der Fassaden im wesentlichen bei, veränderte aber die Fensterformen und gestaltete sie zu einfachen Kreuzstockfenstern mit schlichten Sandsteingewänden um. Im Innern jedoch wurde das Haus duchgreifend erneuert und den gehobenen Ansprüchen nach mehr Wohnkomfort auf zeitgemßem Interieur angepaßt. So wurde der Saal im Erdgeschoß mit einer prächtigen Stuckdecke ausgebildet und zeigt die in dieser Zeit beliebten Blatt- und Rankengirlanden, aber auch geometrische Bänder in Pastelltönen.

Auch die Vorburg wurde in dieser Zeit umgestaltet. Von den älteren Gebäuden, die einen noch wehrhaften Charakter zeigen, blieben nur Reste des Torhauses mit einer später nochmals veränderten Zugbrücke und der Kern des runden Wehrturms auf der äußersten Südwest-Ecke erhalten. Ansonsten wurden die Gebäude zu Gartenhäuschen umgestaltet, wofür Schloß Nordkirchen (erbaut 1703-1734) mit seinen vier Eckpavillons wohl Vorbild bot.

Die Mühle, die nahe dem Eingang zur Vorburg angelegt wurde, ist in der jetzigen Form zwischen 1625-1632 errichtet worden und war zunächst Ölmühle, seit 1699 zusätzlich als Papiermühle, betriebn worden. Dann wurde sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Mahlmühle umgebaut. Ihr gegenüber liegt der hohe Getreidespeicher, ebenfalls aus dem beginnenden 19. Jahrhundert.

Die Bertha-Jordaan-van-Heek Stiftung

Der niederländische Bankier Jan Jordaan und seine Gattin Bertha erwarben 1929 die Burganlage. Nach Jordaans Tod errichtete die Witwe 1959 die Bertha-Jordaan-van-Heek Stiftung. Diese Stiftung hat sich die Erhaltung und Pflege der Wasserburg mit den dazugehörigen Natur- und Landschaftsschutzgebieten zur Aufgabe gemacht. Gleichzeitig will sie den Austausch von Kunst und Wissenschaft zwischen Deutschland und den Niederlanden fördern und so zur Verständigung beider Länder beitragen.

Seit 1970 ist Haus Welbergen auch Treffpunkt bildender Künstler der Region, die sich zum „Welbergener Kreis“ zusammenschlossen. Sie kommen etwa monatlich auf Haus Welbergen zum Gedankenaustausch zusammen, führen gemeinsame Ausstellungen durch und pflegen Kontakte mit anderen Künstlergruppen im In- Und Ausland.

Die Gartenanlage Haus Welbergen

Die stimmungsvolle Gartenanlage am Haus Welbergen entstand am ehemaligen Standort zweier Wirtschaftsgebäude. Im Jahr 1962 legte die Stiftung einen wunderschönen geometrischen Garten unter Leitung von Egon Barnars nach historischen Vorbildern an. Zu der Gartenplanung dieser Zeit gehört auch ein Brunnen im Zentrum des Gartens, der nach Vorbildern aus der Renaissance angefertigt wurde. Besonders empfehlenswert ist hier ein Spaziergang entlang der ausgedehnten Gräften der Anlage. Von den umgebenden Wegen ergeben sich aus immer wieder neuer Perspektive reizvolle Blicke auf die Wasserburg Haus Welbergen.

Zwei Torpfeiler aus dem Jahre 1730 markieren den Zugang zu einer ehemals intensiv genutzten Garteninsel. Hier wurden bis heute bei der historischen Gestaltung des Gartens am nordöstlichen Rand ein kleiner, als wichtiger Blickfang errichteter Pavillon und mehrere alte Bäume erhalten. Diese Bäume gehören vermutlich noch zu der Bepflanzung des barocken Gartens. Zudem zieren imposante Solitärbäume und zahlreiche alte Rhododendren die weitläufige Gartenanlage. Die meisten dieser Gewächse wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert gepflanzt. Haus Welbergen ist besonders zur Stauden- und Rosenblüte ein anziehendes Besucherziel für Gäste.

Wasserburg Haus Welbergen
Bertha Jordaan-van Heek Straße 1 · 48607 Ochtrup
Informationen und Führungen
Telefon: 0 25 53 . 13 33

Bertha Jordaan-van Heek Stiftung
Geschäftsführung Franz-Josef Melis
Bertha Jordaan-van Heek Str. 1 · 48607 Ochtrup
Telefon: 0 25 53 . 81 48

Öffnungszeiten
Die Gartenanlage ist tagsüber jederzeit zugänglich.

Führungen
Hausführungen für Gruppen außer an Sonn- und Feiertage nach telefonischer Anmeldung möglich.
Erwachsene 4,00 EUR, Kinder 3,00 EUR.

Informationen und Auskunft
Tourist Info Ochtrup
Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup e.V.
Töpferstraße 2 · 48607 Ochtrup
Telefon +49 (0) 25 53 . 98 180
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