Ochtruper Töpfereimuseum

Die  Geschichte der Töpferei in Ochtrup

Ochtrup ist als Töpferort weit über die Grenzen des Münsterlandes hinaus bekannt und eine Stadt mit langer Geschichte. Von alters her war die heimische Bevölkerung landwirtschaftlich orientiert. Daneben betrieb man das Töpferhandwerk und die Weberei. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts fand ein harter, blutiger Kampf zwischen Bentheimer und Gildehauser Bauern und Ochtruper Bürgern statt. Man stritt sich um die Brechte, ein bis dahin kaum beachtetes Ödland, das reiche Tonvorkommen zeigt. In dieser Zeit hat wahrscheinlich die Entwicklung der Ochtruper Töpferei begonnen. Blütezeiten des Töpferhandwerks waren das 18. und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Um 1800 bestanden in Ochtrup nachweislich 23 Töpfereien.

Pöttkerspättken und Kiepenkerle

Zum Geschäft der Töpfer gehörte nicht nur die Herstellung, sondern auch der Vertrieb ihrer Produkte. Schon im 17. Jahrhundert wurden Ochtruper Irdenwaren im weiten Umkreis von Ochtrup verkauft. Bereits 1668 exportierten die Ochtruper Töpfer ihre Schüsseln, Töpfe, Krüge, Knabbelkümpkes und Nachtigallen in die benachbarten Niederlande. In der Folgezeit wurden das Münsterland, das Emsland, Holland und der (hannoversche) heutige niedersächsische Grenzbereich zu Hauptabsatzgebieten. Die sogenannten „Kiepenkerle“ oder „Pottkerle“ waren landeinwärts bekannt. Auf ausgetretenen Pfaden, den „Pöttkerspättken“ wanderten sie mit ihren Kiepen von Dorf zu Dorf und von Hof zu Hof.
Die letzte noch produzierende Töpferei in Ochtrup, in der noch heute das traditionelle Dekor der Ochtruper Irdenware hergestellt wird, betreibt die Töpferin Lisa Eiling in ihrem Atelier am Ochtruper Bahnhof.
Besonders beliebt und weltbekannt ist die „Ochtruper Nachtigall“, eine Gefäßflöte, die mit Wasser gefüllt, dem Gesang einer Nachtigall verblüffend gleicht. Pfeiffiguren und Gefäßflöten wurden von den Töpfern auf der ganzen Welt als Kinderspielzeug hergestellt.

Früher Wohnhaus, heute Museum

Seit langem bestanden Planungen der Stadt Ochtrup für die Errichtung eines Töpfereimuseums. Nach längeren Verhandlungen und Überlegungen kaufte die Stadt Ochtrup 1989 das aus dem Jahre 1678 stammende Wohnhaus der Töpferfamilie Eiling – ein Ackerbürgerhaus in Dreiständerbauweise – um dieses als Museumsgebäude zu nutzen.
Aus dem Besitz der Töpferfamilie war Mobiliar aus der Zeit der Jahrhundertwende vorhanden. Die heute im Tennebereich des Hauses ausgestellten Keramikexponate stammen aus der Sammlung der Stadt Ochtrup.
Der Wohnbereich des Töpferwohnhauses ist im Stil der Jahrhundertwende eingereichtet und zeigt die damalige Wohnsituation der Töpferfamilie. Durch die Untersuchung von Wand- und Holzanstrichen konnte festgestellt werden, welche Wandlungen die Räume in ungefähr 150 Jahren erfahren haben. Ein präparierter Wandausschnitt ist Dokument für zahlreiche Farbgebungen, mit denen die Wände versehen wurden.
Das Museum ist aufgeteilt in mehrere Ausstellungseinheiten. In erster Linie soll ein Eindruck von der in Ochtrup hergestellten Irdenware vermittelt werden. Im ehemaligen Tennebereich des Ackerbürgerhauses sind Keramikobjekte aus verschiedenen Zeitepochen zu sehen. Die ältesten Objekte stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um restaurierte Schwarzirdenware, die bei dem Bau der Stadtsparkasse in Ochtrup in einem alten Brunnen gefunden wurde. Schwarzirdenware wurde im Feldbrand hergestellt, bevor es gemauerte Öfen gab.

Von Tellern, Töpfen und Schüsseln

Ein malhornbemalter Teller und eine Schüssel aus einem Bodenfund in Zwolle – datiert auf das Jahr 1700 – sind Zeugnis für den frühen Handel der Ochtruper Töpfer mit den benachbarten Niederlanden. Zierschüsseln, Pfannkuchenteller, Küchengeschirr und Blumentöpfe aus zwei Jahrhunderten lassen die breite Palette Ochtruper Irdenwarenproduktion erkennen. Typisch für diese Artikel ist die Malhornbemalung, die seit der Renaissance in Mitteleuropa verbreitet ist.
Blauweiße Keramik ist eine Besonderheit der Ochtruper Töpferei und wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt. Diese Objekte sind zum Teil kunstvoll bemalt und geben ein Bild vom Talent mancher in Ochtrup tätigen Keramiker. Grapen und Töpfe aus dem 18. Jahrhundert zeigen in ihrer einfachen Ausführung die Küchenausstattung dieser Zeit (Bodenfund).
Im 19. Jahrhundert erlebte die Töpferei einen gravierenden Rückgang. Durch das Aufkommen von Email- und Aluminiumgeschirr wurden irdene Gefäße aus dem Handel verdrängt. Eine Ausstellungseinheit des Museums macht diesen Rückgang am Beispiel einer Küchenszene aus dieser Zeit deutlich.Zwar versuchte man das Töpfereigewerbe zu beleben und entsandte von Seiten des Rates einige Töpfergesellen auf Keramikfachschulen. Sie sollten neue Formen, Dekors und Glasuren den ehemaligen Pöttkern nahebringen. Eine Vitrine, die Vasen aus einem Zeitraum von etwa 90 Jahren enthält, zeigt die mannigfachen Erneuerungsversuche Ochtruper Töpfer.


Töpfereimuseum Ochtrup
Töpferstraße 10 · 48607 Ochtrup
Telefon 0 25 53 . 80 854

Öffnungszeiten
Montag geschlossen.
Dienstag bis Freitag 9 - 12 Uhr  · 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
Samstag von Mai bis Oktober 15 - 17 Uhr

Führungen nach Vereinbarung.
Eintrittspreis Erwachsene 1,00 EUR.

Informationen und Auskunft
Tourist Info Ochtrup
Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup e.V.
Töpferstraße 2 · 48607 Ochtrup
Telefon +49 (0) 25 53 . 98 180
Telefax +49 (0) 25 53 . 98 181
www.vwo-ochtrup.de
kontakt@noSpam.vwo-ochtrup.de


Mit Bibelfliesen durch die Bibel

Fachsimpeln über Bibelfliesen: (v.l.) der Heimatvereins-Vorsitzende Hermann Schründer, Pfarrerin Imke Philipps sowie Christa Holtmannspötter und Tanja Withut vom Töpfereimuseum. Foto: Anne Steven

Sonderausstellung im Töpfereimuseum
wird am Montag, 19. Oktober 2015  eröffnet


Ochtrup, 13.10.2015 – Sie erzählen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament: Zahlreiche Bibelfliesen sind ab Montag im Töpfereimuseum in der Sonderausstellung „Mit Bibelfliesen durch die Bibel“ zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Montagabend mit einem Fachvortrag von Pastor i.R. Kurt Perrey.

Manfred Schründer, Tanja Withut, Christa Holtmannspötter und Imke Philipps stecken die Köpfe zusammen. Was die Vier aushecken? Sie werfen einen ganz genauen Blick auf eine Bibelfliese. Denn ab Montag (19. Oktober) zieht die Sonderausstellung „Mit Bibelfliesen durch die Bibel“ ins Töpfereimuseum ein.
Dass die Wanderausstellung Station in Ochtrup macht, daran ist Imke Philipps schuld. Anlässlich des Reformations-Jubiläums-Dekadenjahres „Reformation, Bild und Bibel“ fand sie eine solche Ausstellung in Ochtrup passend. Sie hängte sich ans Telefon und nahm Kontakt mit dem Organisator der Wanderausstellung, Pastor i.R. Kurt Perrey, auf. In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein und dem Töpfereimuseum stellte sie die Weichen für eine Station in Ochtrup. Und, um das Kleeblatt komplett zu machen, schloss sich schließlich auch die Stadt Ochtrup an.
Die blaugemusterte Keramik in der Hand von Manfred Schründer stammt zwar nicht aus dem Ausstellungs-Bestand, doch auch sie zeigt eine Szene aus der Bibel. Nur welche ist es? Das können der Vorsitzende des Heimatvereins, die beiden Mitarbeiterinnen des Töpfereimuseums und die Pfarrerin auf die Schnelle auch nicht sagen. „Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil auf den Fliesen teilweise nur kleinste Details dargestellt werden“, erklärt Philipps, die allein schon beruflich bedingt biblisch sehr bewandert ist.

Früher, so erzählt sie, habe die Bibel bei den Menschen einen viel größeren Stellenwert gehabt als heute. Ein Mensch aus dem 17. oder 18. Jahrhundert hätte vermutlich kaum Schwierigkeiten gehabt, die Bibelmotive auf den Fliesen zuzuordnen. Besucher der Sonderausstellung im Töpfereimuseum werden aber nicht lange raten müssen. Sie bekommen entsprechende Hinweise zu den Bibelstellen, um die alt- und neutestamentarischen Geschichten in den ausgelegten Bibeln nachlesen zu können.

Entstanden sind die Bibelfliesen übrigens schon im 16. und 17. Jahrhundert. Damals gab es von Seiten der reformierten Kirchen ein Bilderverbot. Gemälde, Skulpturen, Kirchenfenster und andere Bildwerke mit Jesus- oder Heiligendarstellungen wurden aus den Kirchen entfernt. Zu dieser Zeit fingen die Menschen an, ihre Fliesen mit Motiven aus dem Alten und Neuen Testament zu bemalen. „Es ist interessant, dass sich dieses Bedürfnis nach Bildern so seine Bahn gebrochen hat“, findet Imke Philipps die Geschichte der Bibelfliesen spannend.
Verbreitet waren sie vor allem in den Niederlanden und Ostfriesland. Mit den holländischen Wanderarbeitern kamen sie bis ins Münsterland. Hier stellten sie ein gewisses Statussymbol dar. „Nur wer Geld hatte, konnte es sich leisten, beispielsweise hinter dem Kamin eine große Anzahl von Bibelfliesen anzubringen“, erzählt Tanja Withut. Später habe sich das dann geändert. Doch viele wüssten oft gar nicht, dass sie Bibelfliesen im Haus hätten.

Letzterer Aspekt machte es für die Macher der Ausstellung, die Projektgruppe „Kulturgut Bibelfliesen“, besonders schwierig, an Exponate für ihre Ausstellung, die bereits seit 2003 durch Deutschland und das benachbarte europäische Ausland tingelt, zu gelangen. Insgesamt beinhaltet der Bestand 96 historische niederländische Wandfliesen mit biblischen Motiven. Die älteste stammt aus dem Jahr 1670. Eine Besonderheit sind die Foto-Bibelfliesenposter, auf denen einige original Bibelfliesenwände täuschend echt nachgebildet sind.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Anne Steven