Stift Langenhorst

Das Stift Langenhorst

Langenhorst ist bis heute eine ländliche Siedlung und hat sich nicht zu einer größeren, geschlossenen Ortschaft entwickelt. Bestimmend für das Dorfbild ist die doppeltürmige Stiftskirche mit den Stiftsgebäuden. Die guterhaltende Gräfte sowie die Vechte begrenzen auch heute den ehemaligen Stiftsbezirk. Diese wasserorientierte Lage gibt einen Hinweis auf den Vorgänger des Stiftes, die Wasserburg der Grafen von Wettringen. Der heutige Stiftsbezirk mit der Kirche nimmt nur etwa die Hälfte der früheren Wasserburg ein. Der andere Teil des Burgbereiches, das Vorwerk mit den Wirtschaftsgebäuden, war der Hauptburg vorgelagert. Mit dem Bau der Landstraße Burgsteinfurt-Ochtrup im 19. Jahrhundert wurde der Burgbereich zerschnitten, so daß die heutige Bundesstraße mitten durch Burganlage bzw. Stiftsbezirk führt.

Wasserburg, Kloster und adeliges Damenstift

Unter den drei Stiften des Kreises Steinfurt (Borghorst und Metelen) ist Langenhorst das jüngste. Erst 1178 gründete Franko von Wettringen mit Erlaubnis Herzog Heinrichs des Löwen ein Augustinerinnenkloster zu Ehren Johannes des Täufers. Die Klostergemeinschaft fand Unterkunft auf der Burg Langenhorst, die Franko von Wettringen von seinem Bruder Bernhard geerbt hatte. Der münstersche Bischof Hermann II., Graf von Katzenelnbogen, vermehrte den reichen Besitz des Klosters und bestimmte den Edelherren Werner von Ibbenbüren zum Vogt, der ein naher Verwandter des Stifters war.

Bis ins 16. Jahrhundert erfreute sich das Kloster Langenhorst einer wirtschaftlichen Blüte. Die Schafzucht und die damit verbundene Wandmacherei bildeten ertragreiche Einnahmequellen. Aber die Brände von 1556 und 1605 führten zum wirtschaftlichen Niedergang. Durch einen Konventsbeschluß wurde das Kloster 1576 in ein freiweltliches adeliges Stift umgewandelt und genau 40 Jahre später rekatholisiert.
Die Geschichte des Stiftes Langenhorst endet im Jahre 1811, als unter der Herrschaft Napoleons die geistlichen Besitztümer säkularisiert wurden.

Der Stiftsbezirk

In Langenhorst hat sich, anders als in den ehemaligen Stiften Metelen und Borghorst, der mittelalterliche Zustand des Stiftsbezirkes gut erhalten und man kann sich bei einem Rundgang eine gute Übersicht über die Gesamtanlage verschaffen.

Noch heute ist der größte Teil der Wassergräben der ehemaligen Burg erhalten. Im Osten fließt die Vechte hindurch. An der Mühle ist sie aufgestaut. Im Westen verbreitert der Graben sich zu einem großen Teich. Zwischen Mühle und Teich liegt der Stiftsbezirk.

Sein Kern ist die Kirche, die nach Süden, Osten und Norden immer frei dalag. Nach Westen ist ihr ein U-förmiger Bau vorgelagert. In ihm finden wir das Kloster wieder. Früher reichten seine beiden Flügel bis an die Kirche heran. Die Nonnen konnten so direkt in die Kirche gelangen. Es entstand ein viereckiger, geschlossener Hof, ein Kreuzgang. An diesem Flügelbau schließt sich nach Westen zum Teich hin der Westflügel mit einem zierlichen Treppentürmchen an.

Auch im Süden der Kirche erhebt sich ein auffallendes Gebäude, die große Abtei. Diese beiden letzteren Bauten stammen erst aus der Zeit, in der das Kloster in ein weltliches Damenstift umgewandelt wurde. Alle übrigen Häuser sind ab etwa 1830 dazu gekommen. Manche von ihnen stehen aber auf ältern Resten, so daß man sich den alten Stiftsbezirk gut vorstellen kann.

In dem Bereich südlich der Bundesstraße, die erst im vorigen Jahrhundert durch den Ort gelegt wurde, standen nur einige Wirtschaftsgebäude. Ein großer Teich lag im Garten des Pastorats. Die Gräben stammen wohl noch vor der Burg um 1178. Gleich anschließend bis etwa 1230 wurde die Kirche erbaut.

Da zunächst in Langenhorst Nonnen wohnten, brauchte man ein einziges Gebäude für das gemeinsame Leben. Dazu diente das mittelalterliche Klostergebäude westlich der Kirche. Als man 1576 aus dem Kloster ein weltliches Stift machte, bekam jede Dame ihre eigene Wohnung. Von diesen Wohnbauten sind nur noch der Westflügel am Teich und die Abtei erhalten. Alles weitere waren Wirtschaftsgebäude. Zwei Mühlen, ein Torhaus, Brauhaus, Bauhaus und Scheunen umrahmten den geistlichen Bezirk.

Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Die kleine katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer ist das bedeutendste und vielgestaltigste Gotteshaus des Kreises Steinfurt. Es ist unglaublich, welcher Reichtum an Baugedanken hier auf engstem Raum verwirklicht wurde. Auf eine Länge von nur 32 Meter entstand eine Kirche, die es mit den großen Domanlagen des Mittelaters aufzunehmen suchte. Wie an den riesigen Domanlagen in Speyer, Mainz oder Worms finden wir zwei Querschiffe, wie am Dom zu Münster zwei Türme. Für westfälische Verhältnisse ungewöhnlich reich ist auch die Wandgliederung und der plastischer Schmuck. Die Fülle der Formen erhebt das spätromanische Bauwerk zu hohem Rang. Dabei werden noch in der westfälischen Grundanlage bereitwillig Anregungen aus dem Rheinland und sogar Frankreich verarbeitet.

Begonnen wurde schon gegen 1180 mit dem Altarraum und den Türmen. Bald darauf baute man nach Westen weiter. Gegen 1230 war die Kirche fertig. Im Innern erfolgte dann ein gründlicher Umbau des Westquerschiffs kurz vor 1400. Hier bediente man sich hochgotischer Formen.

Verheerend war der Brand von 1556, bei dem der nördliche Turm einstürzte und das benachbarte Querschiffsgewölbe zerschlug. Auch das ganze Dach muß damals zugrunde gegangen sein. Bei der Wiederherstellung fehlte es wohl an Geld und Interesse, weshalb man die Querschiffe im Norden nicht wieder aufbaute. Auch der Nordturm blieb nur als Stumpf stehen. Ab 1867 ging man an die Wiederherstellung der verwahrlosten Kirche.

Damals wurde das nördliche Querschiff wieder aufgebaut und ihm ein niedrigeres Dach aufgesetzt. Leider entfernte man auch im Inneren große Teile der Nonnenempore. Bei einer gründlichen Restaurierung von 1964-1970 wurde der Nordturm wieder errichtet. Auch viele Fenster bekamen ihre ursprüngliche Form zurück. Alle diese Ereignisse habe deutliche Spuren hinterlassen.

Das Äussere

Seinen größten Reichtum entfaltet das Bauwerk nach Süden und Osten. Die Querschiffsgiebel und die untersetzten Osttürme drücken die Baumasse eng zusammen. Alle Wandflächen werden von Vorlagen überzogen, sogenannten „Lisenen“. Sie scheinen wie Eisenbänder die Mauern zusammen zuhalten. Durch Querleisten auf Konsölchen werden sie miteinander verbunden. Im Südgiebel steigt ein Bogenfries an.

Noch prächtiger ist die Ostseite. Früher war sie die weithin sichtbare Schauseite. Rundbogennischen und Rundbogenfenster werden in zwei Dreiergruppen übereinandergesetzt. Die Mittelöffnungen werden durch größere Höhe betont. Einmalig in Westfalen ist der Giebel. Hier finden wir Bögen, die auf Doppelsäulchen ruhen und zur Mitte immer höher werden, eine „steigende Arkatur“. Sie ist zum Dachboden offen. Dieses Motiv läßt die schwere Wand sehr körperhaft erscheinen.
Fragt man nach den Vorbildern dieser vielen Formen, so muß man wohl auf das Kloster Marienfeld bei Warendorf kommen. Seine Mönche waren als gute Bauleute bekannt. Zu derselben Zeit erbauten sie ihre große Klosterkirche. Sie hatten eine enge Verbindung zum Kloster Altenkamp am Niederrhein und von dort aus nach Burgund in Frankreich. Die „steigende Arkatur“ kann nur aus der Gegend um Duisburg kommen, während die anderen Motive in Marienfeld selbst vorkommen. Hier werden Formen gültig, die wenig später beim Neubau des Domes in Münster große Bedeutung gewinnen.

Noch bescheidener ist die Westseite. Allerdings muß man bedenken, daß im vorigen Jahrhundert die beiden Flügel des Klosters an die Kirche angebaut waren. An den beiden Seiten der Westwand erkennt man noch deutlich die zugemauerten Türen. Sichtbar war also nur der Mittelteil mit seinem gotischen Maßfenster des 14. Jahrhunderts.

Man betritt das Bauwerk meistens durch das Südportal. Es liegt zwischen den beiden Querschiffen. Auffallend sind die beiden ungleich hohen Rundpfeiler an den Ecken. Ihre Bedeutung ist bis heute umstritten. Ein Erklärungsversuch sieht in ihnen Hoheitszeichen für das hier tagende Archidiakonatsgericht.

Das Innere

Das Innere überrascht durch drei Dinge: dem Reichtum der Bauglieder, die Unübersichtlichkeit und die unvermutete Höhe. Letzteres war früher nicht so, die Unübersichtlichkeit war dagegen noch größer.

Die Nonnenempore

Man muß bedenken, daß man sich in der Kirche eines früheren Frauenklosters befindet. Die Nonnen saßen nämlich nicht im Mittelschiff. Sie hatten eine eigene Empore, auf derem Rest heute die Orgel steht. Zum Verständnis des Raumes muss man sie in seiner Vorstellung ergänzen. Sie durchteilte fast in halber Höhe die ganze westliche Hälfte der Kirche und ging in den Seitenschiffen bis zum östlichen Querschiff. In dessen Südwand ist die Treppe zur Empore noch erhalten. Insgesamt reichte sie also zwei Joche weiter als der heutige Rest. Daduch wirkte der als Kreuzkapelle bezeichnete Teil unter der Empore fast wie eine Krypta, während das Oberteil ziemlich niedrig gewesen sein muß.

Weil die Gotik solch gedrückte Räume nicht mehr zeitgemäß fand, nahm man hier am Ende des 14. Jahrhunderts die Gewölbe heraus. Die neue Decke wurde 3 Meter höher eingezogen und auf zierliche Stützen gestellt. So entstand ein zartgliedriger, lichterfüllter Raumteil.

Der Altarraum

Im Blickpunkt liegt immer der quadratische Altarraum. An seinem Ende hat er eine kurze Erweiterung in Form einer rechteckigen Nische. Dieses Motiv findet sich auch im benachbarten Metelen. Die Gruppe der Fenster mit den rahmenden Säulchen und die Eckpfeiler lassen den Raum reich erscheinen. Hinzu kommt ein weiteres Motiv, für das es Vorbilder am Niederrhein gibt. Den Seitenwänden sind zwei flache Rundbögen vorgeblendet. In der Mitte treffen sie sich auf zwei aneinander gekoppelten Säulchen. Deren Schäfte sind aus schwarzem Schiefer. Das Gewölbe ist dagegen noch ganz einfach. Es ist ein Kreuzgratgewölbe, das Standardgewölbe der Romanik. Überhaupt ist im Chor noch alles romanisch. Das ändert sich im Querschiff. Hier werden alle tragenden Bögen spitz, wogegen die Fenster noch rundbogig bleiben. Auch die Gewölbe werden steiler und oben spitz, fast wie die Hälfte einer Zitrone.

Romanik und Gotik im Wechselspiel

Diese kuppelartigen Gebilde heißen „Domikalgewölbe“ und treten in Westfalen zuerst in Marienfeld auf. In Frankreich waren sie schon früher bekannt. Sie besitzen wulstartige Unterlagen. Diese Rippen sind jedoch nur Zierglieder, zu tragen haben sie nichts. An den Ostseiten der Querschiffe finden wir die Wandbögen – diesmal spitz – mit den gekuppelten Schiefersäulchen wieder, ein Zeichen dafür, dass nicht die Bauleute, sondern nur die Bauformen gewechselt haben. Darunter sind die runden Nischen für die Seitenaltäre. Ihnen ist ein Vorbau auf Säulchen in Form eines Ziboriums vorgeblendet, ein Motiv aus dem Oberrheingebiet.

Typisch für Westfalen

Das ganze kurze Langhaus der Zeit um 1220 bringt einen neuen, für Westfalen typischen Baugedanken. Die Seitenschiffe sind fast so hoch, aber nur halb so breit wie das Mittelschiff. So entsteht eine Hallenkirche. Dabei werden die Mittelschiffsgewölbe von dicken, die Seitenschiffsgewölbe von dünnen Pfeilern getragen. Wir haben also den für Westfalen so bezeichnenden Typ der „Hallenkirche mit gebundenem System und Stützwechsel“ vor uns. Damit gehört Langenhorst in die berühmte Baugruppe von St. Ludgeri in Münster, St. Marien in Lippstadt und der Kirchen in Metelen, Billerbeck und Legden. Der Unterschied zu diesen Bauten liegt aber in der raumbestimmenden Bedeutung der Empore, so dass wir hier auch Anklänge an den Typ der Emporenhalle spüren, die in anderer Form wieder in Frankreich vorkommt. So zeigt sich im Reichtum der Baugedanken die weltoffene Gesinnung, die Westfälisches mit Rheinländischem und Französichem verschmilzt.

Die Ausstattung

Zunächst lohnt ein Blick auf die interessanten Kapitelle der Pfeiler. Blatt- und Rankenformen herrschen vor. Besonders im Querschiff fesseln merkwürdige menschliche Figuren den Blick. Ihre Bedeutung ist bisher unklar. Aus der Nähe kann man die Kapitelle am rechten Seiten altar betrachten. In dem „Wilden Mann“, der zwei Drachenvögel bändigt, lebt die griechische Sage von Herakles weiter. Im christlichen Sinn ist er ein Symbol der Stärke. Viele Kapitelle haben ihr Vorbild in der 1178 begonnenen Ludgerikirche in Münster. Andere kommen aus Marienfeld, wieder andere auf Umwegen aus Frankreich.

An der Südwand des Ostquerschiffes hat die Figur eines männlichen Heiligen Aufstellung gefunden, die früher in der Spitze des Ostgiebels stand und dort durch eine Kopie ersetzt wurde. Das urtümliche, dumpfe Werk legt die ganze ausdruckhafte Betonung auf den Kopf mit seinen großen Augen. Hierin wie auch in dem sehr kräftigen Relief zeigen sich ganz allgemein Stilmerkmale der westfälischen Plastik vom Ende des 12. Jahrhunderts.

Aus dem reichen Besitz des Klosters ist nur wenig verblieben. Das beste Stück ist dasr gotische Kruzifixus auf dem rechten Seitenaltar. Er gehört zu den ausdrucksvollsten Werken seiner Art im Münsterland. Der Gekreuzigte aus der Zeit um 1330 stellt erschreckend deutlich das Leiden des Erlösers dar. Wohl 100 Jahre jünger ist das kleine Holzkreuz über dem Altar.

Im Nordschiff steht eine große Marienklage aus Holz. Sie ist in den Formen der Zeit um 1480 gearbeitet. Der Kopf der Maria sieht aber seltsam barock aus. Vielleicht wurde er im 18. Jahrhundert überarbeitet. Vielleicht ist sogar das ganze Werk erst um diese Zeit als Ersatz einer beschädigten Figur aus der Gotik hergestellt worden.
Im Westquerschiff steht eine große Sandsteinfigur des heiligen Antonius von Padua. Sie ist ein sehr befangenes Werk des Bernd Meyering aus Rheine aus der Zeit um 1690. Vom gleichen Meister stammt auch die viel 0bessere Figur des heiligen Johannes des Täufers auf der Orgelempore. Die beiden Gegenstücke gehören vielleicht zu einem ehemaligen Hochaltar, wie in der alten Kirche in Mesum.
Neben dem heiligen Antonius steht ein einfacher Taufstein aus der Erbauungszeit der Kirche. Einziger Schmuck des Zylinders ist ein umlaufender Rankenfries am oberen Rand. Daneben steht ein barock bemalter Osterleuchter mit gedrehtem Schaft aus der Zeit um 1500.

Im Chor stehen zwei Chorstühle in derben Renaissanceformen des 17. Jahrhunderts. Viel passender sind die beiden Betbänke vor den Seitenaltären. Die reichgeschnitzten Wangen stammen aus der Zeit um 1520-30. Mehrere alte Kirchenbänke des 17. Jahrhunderts vervollständigen die stilvolle Inneneinrichtung.
Die hoch angebrachten Kreuzwegbilder stammen aus der Werkstatt des Johann Bartscher aus Oelde von etwa 1900. Neben dem Südeingang steht ein hölzerner Opferstock auf einem Balusterfuß mit schmiedeeisernem Beschlag, wohl aus dem 17. Jahrhundert.

Der Kirchenschatz

Nur an Festtagen sieht man einige Stücke des Kirchenschatzes. Auf dem Hochaltar stehen dann zwei reich dekorierte Leuchter aus Silber von 1737. Als Kerzenträger dienen auch zwei kniende Leuchterengel aus der gleichen Zeit. Sie sind aus Silberblech getrieben. Ebenfalls aus Silber ist die große Monstranz von Hermann Decker aus Münster von 1653.
Eine besonders kostbare Silberschmiedearbeit ist nur bei der Fronleichnamsprozession zu sehen. Die getriebene Muttergottes ist als apokalytisches Weib dargestellt. Sie stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, lehnt sich aber an ältere Augsburger Arbeiten an. Das wertvollste Stück des Kirchenschatzes ist eine französische Madonna aus Elfenbein aus der Zeit um 1320.
Ferner gibt es noch einige gotische Statuetten, unter denen ein heiliger Joseph aus Ton auffällt. Das Werk von etwa 1520 stammt von Jodokus Vredis aus der Kartause Weddern bei Dülmen.

Das Kloster

Die im Westen der Kirche in Form eines U angelegten Gebäude des Nonnenklosters bestehen aus drei Einzelhäusern des 14., 16. und 17. Jahrhunderts. Ihnen schließt sich nach Westen noch ein weiterer Flügel des 16. Jahrhunderts an. Die U-förmige Baugruppe reichte früher bis an die Westfassade der Kirche heran, wie einige zugemauerte Türen lehren. Durch sie konnte man von den Klostergebäuden aus die Nonnenempore in der Kirche betreten.
Innenhof und Kreuzgang

So bildetet sich vor der Kirche ein völlig geschlossener, fast quadratischer Hof. Alle drei Gebäudeflügel waren früher im Innern durch einen gemeinsamen Gang verbunden, der rund um den Innenhof herumlief und sich in großen Fenstern zu ihm öffnete. So entstand der für mittelalterliche Klöster typische Kreuzgang.

Das älteste Gebäude

Das älteste Gebäude ist der Südflügel, der heute als Einstellplatz für Fahrzeuge und Geräte dient. Im Obergeschoß sieht man noch seine alten Fenster.
Sehr schmale Steinbrückenfenster, wie sie bei Klöstern des Münsterlandes, etwa in Gravenhorst oder Bentlage, im 14. und 15. Jahrhundert an den Zellen der Klosterinsassen auftreten. Im Erdgeschoß waren die Öffnungen an der Hofseite größer und mit Steinkreuzen versehen. Auf der Südseite waren diese älteren Öffnungen ursprünglich sehr klein und schlitzartig. Erst später wurden sie durch größere Steinkreuzfenster ersetzt, wie die umlaufenden Ausflickungen und Mauerrisse beweisen.

Im Westgiebelfeld sieht man zwei hohe gotische Spitzbogenfenster mit eingestellten Nasen, die weit in den Dachstuhl hinausreichen. Das rechte hatte man wegen eines Kamins an der Innenwand aus der Mittelachse verrückt. Der Giebel hat nicht mehr seine ursprüngliche Form mit seitlich aufgesetzten Staffeln bewahrt. Vermutlich wurde er nach dem verheerenden Klosterbrand von 1556 umgeändert, dem wohl der größte Teil der Dächer über den Wohngebäuden zum Opfer gefallen war.

Refektorium und Dormitorium

Im Innern befand sich hinter dem umlaufenden Gang ein langgestrecker Raum. Vielleicht war er der gemeinsame Speisesaal der Nonnen, das Refektorium. Hinter den kleinen Fenstern im Obergeschosses dürfte der Schlafsaal, das Dormitorium, gelegen haben. Es könnte ursprünglich mit einem großen, die ganze Höhe des Dachstuhls einnehmenden Holzgewölbes gedeckt gewesen sein.
Das Alter dieses mehrfach veränderten Südflügels ist nur schwer zu bestimmen. Vielleicht können die ältesten Teile noch in das 14. Jahrhundert datiert werden, wahrscheinlicher ist aber ihre Entstehung im 15. Jahrhundert.
Der Anfang der 1980er restaurierte Mittelflügel dürfte im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts errichtet worden sein, worauf die zahlreichen Marken von mindestens neun Steinmetzen hinweisen, die sich auch an vielen Kirchen dieser Zeit im nördlichen Westfalen (Rheine, Westerkappeln, Ibbenbüren) wiederfinden. An der Nordecke liegt die alte Tür, die in den umlaufenden Gang führte, von dem noch ein breiter Spitzbogen erhalten ist.

Der Nordflügel besitzt nur noch wenig alte Substanz. Mit Ausnahme seines westlichen Drittels und des Kellers ist er eine Wiederherstellung nach dem Brand von 1556, die in mehreren Abschnitten bis 1616 erfolgte, und zwar zum Teil in der billigeren Fachwerkbauweise.

Durch die Tür in der Nordwestecke gelangt man an den Mührenplatz. Die Westfassade der Klosterflügel wird von zwei hohen gotischen Giebeln bestimmt, die ein traufenseitiges Mittelteil rahmen. An ihm und am Nordgiebel treten wieder die gleichen Steinmetzzeichen aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts auf, die am älteren Südgiebel fehlen. Das Mauerwerk der jüngeren Bauteile besteht aus sorgfältig bearbeitete, großformatigen Quadern aus Bentheimer und Gildehauser Sandstein.

Den meisten heutigen Fenstern fehlen die ursprünglichen Steinkreuze. Man hat sie wohl nach 1576 herausgenommen, um den Stiftsdamen wohnlichere Räume zu schaffen, nachdem das gemeinschaftliche klösterliche Leben aufgegeben worden war.

Am nördlichen Giebel sieht man über der Türe eine steinerne Fassung für den Kranbalken, mit dem Getreidesäcke auf den Dachboden gezogen wurden.
Im schrägen Winkel zu diesem Giebel steht der Westflügel, dessen hübsches achtseitiges Treppentürmchen auffällt. Leider ist dieser Bauteil aus Ziegelsteinen heute nicht stilvoll verputzt.

Die Abtei

Den Kirchplatz beherrscht der mächtige zweistöckige Ziegelbau der Äbtissin von Westerholt. 1722 erbaute sie sich mit eigenen Geldmitteln dieses palastartige Gebäude im Stil der Wohnungen der Domherren am Domplatz in Münster. Es hat eine repräsentative doppelläufige Freitreppe. Zudem ist der Mittelteil in Form eines „Mittelrisalts“ etwas vorgezogen. Ein flacher Dreiecksgiebel und ein verziertes Portal betonen die Mittelachse. Die Ecken des Gebäudes sind durch Sandsteinquader verfestigt. In allem zeigt sich die münsterländische Bauschule der Architekten Pictorius. Leider ist die Abtei, so gut sie für sich ist, für ihre Umgebung viel zu groß geraten. In ihrer Strenge wirkt sie fast blass neben der reich verzierten Kirche.
Immunitätspfeiler

Neben der Abtei stehen noch die beiden Immunitätspfeiler, die den Eingang zum Kirchplatz bewachen. Der linke trägt noch seine barocke Vase mit einem Wappen un dem sehr groben Relief des Pfarrpatrons, des heiligen Johannes den Täufer. Hinter diesen Torpfosten begann der Stiftsbezirk, in dem jede weltliche Gewalt ihre Macht verlor.

Stift Langenhorst
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Telefon 0 25 53 . 80 854

Öffnungszeiten
Führungen nach Vereinbarung.
Besichtigung der Stiftskammer nach Voranmeldung im
Pfarrbüro, Hauptstraße 21, 48607 Ochtrup-Langenhorst
Telefon 0 25 53 . 9 80 35

Informationen und Auskunft
Tourist Info Ochtrup
Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup e.V.
Töpferstraße 2 · 48607 Ochtrup
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Telefax +49 (0) 25 53 . 98 181
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