Das Leineweberhaus …
… und wie es dazu kam.
Im Jahre 2003 gewann die Stadt Ochtrup den NRW-Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“. Der Heimatverein Ochtrup e.V. wurde gebeten, hierzu einen Beitrag zu leisten. Daraufhin entwickelten die Mitglieder des „Arbeitskreises Heimatkunde“ folgenden Vorschlag:
Laßt uns doch in Ochtrup eine Hochzeit feiern, wie diese etwa um 1850 hätte stattfinden können.
In alten Büchern und Bildern fanden wir die ersten Impulse. Auszüge aus alten Archiven bestätigten unser Vorhaben. Unsere Stadt Ochtrup ist seit Alters her als Töpfer- und Textilstadt bekannt. Deshalb „verheirateten“ wir kurzerhand einen Leineweber mit der Nachfahrin eines Töpfers. Unsere Vorbereitungen begannen im Februar 2003 beim Stand Null.
Die Leineweberhochzeit
Der Termin der Hochzeit wurde auf den 13. September 2003 festgelegt. Also stand uns nur wenig Zeit zur Verfügung, um die notwendigen alten Trachten zu sammeln und nachzuarbeiten. Historische Unterlagen und Bilder halfen uns dabei. Gleichzeitig mußten die Hochzeit und ein Festumzug durch die Stadt Ochtrup organisiert werden. Auswärtige Heimatvereine wurden aufgesucht und eingeladen; Kutschen und Musikkapellen engagiert, die Stadt und die Stadthalle mit weißen und roten Rosen der Seniorengruppen festlich geschmückt.
Alte Trachten begeistern die Zuschauer
Und so gelang es uns, mit gut 450 Teilnehmern über 10.000 Besucher in der Innenstadt zu begeistern. Die Hochzeit wirkt in Ochtrup immer noch nach. Selbst
das Land Nordrhein-Westfalen wollte auf unsere „Leineweberhochzeit“ nicht verzichten. Unsere Trachten wurden bereits in Düsseldorf, Paderborn, Wuppertal und Hamm von einigen hundertausend Besuchern gefeiert. Selbst beim Bistumsjubiläum in Münster zur 1200 Jahrfeier vertraten wir effektvoll unsere Stadt Ochtrup.
Hierzu werden in der Ausstellung im Ochtruper Leineweberhaus beispielhaft eine Auswahl der Trachten und Hauben gezeigt. Umfangreiche alte Literatur ergänzt das Wissen um die frühe Zeit.
Ochtruper Textilgeschichte im Leineweberhaus
Im Jahre 2008, also 5 Jahre später, kam der Gedanke auf, an diese Hochzeit zu erinnern. Damit verbunden sollte wirkungsvoll auf die „Ochtruper Textilgeschichte“ hingewiesen werden.
Doch wie und wo konnten wir das realisieren? Es bot sich nun die Gelegenheit, daß beim Vorsitzenden des Arbeitskreises Heimatkunde, Egon Bode und seiner Frau Agnes, an der Brookstraße 72 in Ochtrup mehrere Räume in deren alten Webermeisterhaus von 1905 frei wurden.
Frau Agnes Bode hat bereits um 1980 für die KfD St. Marien sehr erfolgreich eine Modenschau „Ut de aolle un de niie Tied“ organisiert. Damals erhielt sie auch verschiedene Original-Kleidungsstücke aus der Textilfamilie Laurenz, die sie erfolgreich um viele weitere Sammel-Exponate erweitern konnte – auch aus dem Privatbesitz des letzten Firmeninhabers Heinrich Laurenz. Diese Exponate sind ein weiterer Grundstock für die jetzige Ausstellung im Leineweberhaus.
Kleidungs- und Erinnerungsstücke aus Privatbesitz
In einer gesonderten Vitrine liegen viele alte Erinnerungsstücke, Dokumente und hunderte von alten Fotos aus dem Privatbesitz der Familie Laurenz. Zu sehen sind auch Farbfotografien der Gründungsurkunde von 1854 und eines Erbschaftsvertrages von 1857, sowie handschriftliche Original-Notizen aus der Zeit von 1898 bis 1942.
In der Folge ist es gelungen, einen kompletten Arbeitsplatz mit Original-Maschinen, Stühlen und Zubehör aus der früheren Näherei Gebrüder Laurenz einzurichten. Hunderte verschiedene Stoffe zeigen die Vielseitigkeit der Produktion. Selbst ein Original-Kleid des bekannten Modeschöpfers Heinz Oestergaard ist zu sehen, der um 1953 der Exclusiv-Designer der Quelle-Gruppe war.
Um alles abzurunden, ist außerdem etwas aus der Textilgeschichte der Firma Ross Textilwerke Ochtrup zu sehen. Erstmalig gezeigt werden hier von der Geschäftsleitung Ross als Leihgabe überlassene alte Geschäftsbücher, Stoffe und Gegenstände ab der Gründerzeit von 1897.