Ochtruper Bergwindmühle

Die Geschichte der Bergwindmühle

Die Kornwindmühle auf dem Ochtruper Berg, 1848 vom Mühlenbauer Johann Elfering aus Graes geplant und von der Mühlenbaufirma Münstermann, Ahaus, errichtet, ist eine der letzten im holländischen Stil erbauten Windmühlen vom Typ „Wallholländer“, die die seinerzeit üblichen Bockwindmühlen in Westfalen ablösten. Sie ist als Denkmal unter Schutz gestellt und trägt Wahrzeichencharakter für die Stadt Ochtrup.

Die Mühle, die mit zwei Getreide- und einem Graupenmahlgang ausgerüstet war, wurde als Lohnmühle betrieben. Das bedeutet, dass als Lohn für das Mahlen jeweils ein Molter (1/16 des Mahlgutes) an den Müller abzuführen war. 1856 wurde die Ochtruper Mühle an die Bauern Uphoff und Reckels versteigert. Als Müller wurde Johann Leusing aus dem niederländischen Haaksbergen eingestellt. Nachdem die Mühle 1876 an den Bauern Lenderich verkauft worden war, ging sie im Jahre 1889
in das Eigentum der Familie Hermann und Luise Nobbenhuis über. Seitdem ist sie ununterbrochen im Besitz der Familie Nobbenhuis.

Während eines schweren Orkanes im Jahre 1927 wurde die Mühle schwer beschädigt, die Mühlenkappe mit Flügelkreuz und Steert wurde vom Rumpf abgerissen. Seit 1938 wurde zusätzlich mit elektrischem Antrieb gemahlen, so dass der Müller unabhängig vom Wind war.

Vom Produktionsbetrieb zum Kulturdenkmal

Der Existenzkampf der kleinen Privatmühlen nach dem II. Weltkrieg ist auch an der Ochtruper Bergwindmühle nicht spurlos vorübergegangen. Deshalb wurde der Mühlenbetrieb im Jahre 1955 eingestellt. Um die Mühle zu erhalten, begann der Heimatverein Ochtrup 1972 mit den ersten Renovierungsarbeiten.
Von 1988 bis 1992 fand schließlich eine umfassende Sanierung statt, um die Funktionsfähigkeit der alten Mühle wieder restlos herzustellen. An den Instandhaltungsarbeiten waren die Mühlenbaufirma Bernhard Wintels aus dem niederlädischen Denekamp, und die Firmen Theo Brockevert und Franz Büter aus Ochtrup beteiligt. Die erheblichen Investitionsmittel zur Restaurierung der Mühle trugen das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Ochtrup und der Eigentümer.

Die neuen Windmüller

Inzwischen hat sich ein Förderverein Bergwindmühle gegründet, dessen Anliegen es ist, das Ochtruper Kulturgut Bergwindmühle zu pflegen und zu erhalten. Dazu gehört auch die erste Windmüllerausbildung in Theorie und Praxis, die sieben Mitglieder aus unterschiedlichen Berufen wie Dachdecker, Zollbeamter, Ingenieur und Erzieherin bei Windmüller Hermann Nobbenhuis absolvieren, um die alte Bergwindmühle eigenständig zu betreiben und die gewaltigen Windmühlenflügel in Bewegung setzen zu können. Bis die Windmüllerschüler ihr Diplom in den Händen halten, wird der Wind noch ein Jahr lang mehr oder weniger kräftig über den Ochtruper Berg sausen.

Windmühlentechnik, die bewegt

Die Bergwindmühle ist von der Bauart her eine sogenannte Wallholländer; sie ist von einem Wall umgeben, der Rumpf ist starr und nur die Kappe mit den Flügeln wird in den Wind gedreht. In das Innere der Mühle gelangt man durch die Durchfahrt im Wall und kommt so in den als Keller bezeichneten Teil unterhalb des Mehlbodens (Söller). Der Söller, den man vom Keller über eine schmale Stiege erreicht, liegt auf gleicher Höhe mit dem Wallumgang.

Vom verbotenen Eingang bis in den Kappboden

„Der verbotene Eingang“ zum Wallumgang darf nur der Müller benutzten, der vom Wall aus die Mühle bremsen oder die Segelfläche verändern kann.
Über dem Mehlboden befindet sich der Steinboden. Hier arbeiten beide Mühlsteine. Der untere Stein, der Lieger, wiegt etwa 800 kg, der obere Stein, der Läufer, etwa 1.200 kg. Während der Lieger unbeweglich ist, erreicht der Läufer eine Drehgeschwindigkeit von ca. 35 km/h.

Vom Steinboden aus erreicht man über eine Leiter den Läu- oder Aufzugboden, wo der von der Mühle angetriebene Sackaufzug angebracht ist, und von dem aus das Mahlgut in den Steinboden gehievt wird.

In der letzten Etage schließlich befindet sich der Kappboden. Hier laufen die Hauptachsen der Mühle in den großen Achsrädern zusammen. Das größte Achsrad, das über die Flügelachse angetrieben wird, hat einen Durchmesser von ca. 2,25 m und ist mit 56 Kämmen (Zähnen) aus Hainbuchen bestückt.
Das Gegenrad (Bunkler), welches die Kraft der waagerechten Flügelachse auf die senkrechte Hauptachse (Königswelle) überträgt, hat einen Durchmesser von ca. 1,1 m und 27 Kämme aus Olivenholz, so dass das Übersetzungsverhältnis 1:2+1 Kamm beträgt.

Von Königswelle, Stern- und Königsrad

Unten an der Königswelle befindet sich das Sternrad/Königsrad mit einem Durchmesser von 3,2 m und 101 Kämmen, welches über ein Gegenrad (Steinspiel oder Runzelrad) mit 33 Stäben aus Olivenholz den Läufer des Mahlganges antreibt. Das Übersetzungsverhältnis beträgt hier 1:3,06.

Die Kappe wird mit Hilfe des Steerts über ein Kurbelgetriebe vom Wall aus in den Wind gedreht, da die Flügel während des Mahlens immer genau dem Wind zugewandt sein müssen. Die gesamte drehbare Kappe wiegt mit allen Achsen, dem Achsrad, dem Flügelkreuz und dem Steert ca. 13-14 Tonnen. Beim Stillstand der Windmühle wird eine Rücklaufsperre (Pal) eingelegt und das Flügelkreuz wird festgezurrt.

Auf der Ochtruper Bergwindmühle arbeiten derzeit drei Windmüller, die in den Niederlanden auf allen Windmühlentypen ausgebildet worden sind. Der Windmüller Hermann Nobbenhuis freut sich auf jeden Besucher und lädt kleine oder große Gruppen zur Besichtigung ein.

Glück zu!


Mehr Informationen unter
wallhollaender.nobbenhuis.de

Ochtruper Bergwindmühle
Gaststätte „Zur alten Mühle“,
Christel und Hermann Nobbenhuis
Turmstraße 24 · 48607 Ochtrup
Telefon 0 25 53 . 68 23, Telefax 0 25 53 . 99 39 033
info@windmuehle-nobbenhuis.de
www.windmuehle-nobbenhuis.de

Öffnungzeiten
Jeden Samstag von 14 - 18 Uhr können Besucher
die Mühle besichtigen, sowie an anderen Tagen,
wenn sich die Flügel drehen oder nach Vereinbarung.

Informationen und Auskunft
Tourismus Information Ochtrup
Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup e.V.
Töpferstraße 12a · 48607 Ochtrup
Telefon +49 (0) 25 53 . 98 180
Telefax +49 (0) 25 53 . 98 181
www.vwo-ochtrup.de
kontakt@noSpam.vwo-ochtrup.de

 

Mühlentag 2011 in Ochtrup

Hermann Nobbenhuis möchte den Besuchern am 13. Juni den Buchweizen und seine Verwendungsmöglichkeiten näher bringen. Foto: Irmgard Tappe

Alles dreht sich um alte Mehlsorte

Ochtrup, 06.06.2011 „Sieht aus wie Mehl, fühlt sich aber an wie feiner Sand“, sagt Hermann Nobbenhuis und lässt eine Handvoll frisch gemahlenes Buchweizenmehl durch seine Finger rieseln. Es gab eine Zeit, da war der Buchweizen eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Besonders in der ländlichen Gegend kamen regelmäßig Buchweizenpfannkuchen oder Buchweizengrütze auf den Tisch. Seit der Erbauung der Bergwindmühle im Jahre 1848 wurde auch dort der Buchweizen gemahlen. „Das war sogar ein Schwerpunkt der Müllerarbeit. Mein Opa war bekannt für seine gute Buchweizenverarbeitung.

Er belieferte viele Bauern in der Region“, erzählt Nobbenhuis, während er auf Opas alter Waage frisches Mehl abwiegt. Ein Kilo pro Tüte.Der Windmüller vom Ochtruper Berg bedauert, „dass der Buchweizen hierzulande mehr und mehr in Vergessenheit gerät, obwohl es ein so gesundes Nahrungsmittel ist.“ Denn Buchweizen enthält B-Vitamine, Eisen, Kupfer und Magnesium und es ist obendrein glutenfrei, was für all jene interessant sein dürfte, die auf das Getreideeiweiß Gluten allergisch reagieren. „Und schmecken tut er auch“, bemerkt Nobbenhuis und holt ein Rezept für Buchweizenpfannkuchen aus dem Küchenschrank. Der Müller weiß, dass sich aus Buchweizen viele leckere und vollwertige Gerichte zaubern lassen. Zum Beispiel Buchweizen-Gemüsebratlinge, Buchweizentorte mit Preiselbeeren oder Buchweizen-Dinkelbrot.

Nobbenhuis möchte seinen Mitmenschen den Buchweizen wieder ins Gedächtnis rücken. Er hofft, dass ihm das ein Stück weit gelingt, wenn am 13. Juni (Pfingstmontag) die Bergwindmühle ihre Tür anlässlich des Deutschen Mühlentags öffnet. Dann werden der Ochtruper und seine Windmüllerkollegen den interessierten Besuchern viel über die Buchweizenpflanze erzählen, die kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs ist. Das aus Zentralasien stammende Pseudogetreide, das im Mittelalter nach Europa kam und hierzulande später von der Kartoffel verdrängt wurde, feiert beim Mühlentag in der Bergwindmühle ein Comeback. Die Windmüller berichten dann sowohl über Historisches als auch über die einzelnen Verarbeitungsschritte. Buchweizen wird auch heute noch in der Bergwindmühle gemahlen. Die Sichtung als letzter Verarbeitungsschritt erfolgt allerdings aus technischen Gründen in einer anderen Mühle.

Der Deutsche Mühlentag mit vielen Attraktionen und Aktionen rund um die Bergwindmühle ist am 13. Juni (Pfingstmontag) von 11 Uhr bis 17.30 Uhr.

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Irmgard Tappe

Mehr Informationen unter www.wallhollaender.nobbenhuis.de