Historie von Ochtrup
Das Alter der Stadt Ochtrup reicht bis nah an die Zeit des Heiligen Ludgerus, des Apostels des Münsterlandes, heran. In der Pfarrkirche St. Lamberti wird ein uralter Taufstein aufbewahrt, der aus dem 10. oder sogar 9. Jahrhundert stammen soll. Erstmals urkundlich erwähnt wird Ochtrup, damals Ohtepe ("Östlich von Epe") genannt, 1134 in der Stiftsurkunde des Klosters Klarholz. Als Pfarrei kommt Ochtrup zuerst 1203 vor. Der Bischof Hermann II. überträgt in diesem Jahr das Archidiakonat über Ochtrup dem Kloster Langenhorst.
Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt durch Kriege und Herrschaftsstreitigkeiten, insbesondere der Spanisch-Niederländische Erbfolgekrieg (ab 1581), die Kriegszüge des Bischofs Bernhard von Galen und der
30-jährige Krieg (1618-1648) trafen Ochtrup schwer. Wichtige Daten waren die Jahre 1593 und 1595. Endlich genehmigten die Landesherren den baulichen Schutz der Stadt mit Wall und Wallgraben. Reste dieser Befestigungsanlage und Spuren ihres Verlaufs sind noch heute im Stadtbild vorhanden. Zeitgleich wurde Ochtrup mit Stadt- und Marktrechten versehen.
Stadtrechte und Befestigung ließen die Ochtruper Bevölkerung hoffen, in eine Phase der politischen Stabilität und Ruhe und der wirtschaftlichen Blüte eintreten zu können. Doch Katastrophen sorgten – neben den Kriegen – in dieser Zeit immer wieder für Rückschläge: ein Großbrand vernichtete 1599 fast den kompletten Stadtkern, eine schwere Pestepidemie 1666 forderte zahlreiche Opfer in der Bevölkerung.
Landwirtschaft und Töpferei
Lange Zeit prägten Ackerbau und Viehzucht die Region und ernährten die Bevölkerung am Nordwestrand der "Westfälischen Bucht". Im 17. Jahrhundert sorgte dann die Ochtruper Töpferwirtschaft für den Aufschwung und Ochtrup profilierte sich früh als Zentrum handwerklicher Kunst.
Als Besonderheit galten Ochtruper Töpferwaren, die bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts aus den Tonen der Brechte gefertigt wurden. Zur Blütezeit um 1800 fertigte man hier in 23 Töpfereien Schüsseln, Töpfe und Krüge mit den typischen Formen und Dekoren. Die „Pöttker“ vertrieben ihre Produkte auf den Wochen- und Jahrmärkten, dienten als Zwischenhändler zu den Krämern und wanderten entlang der alten westmünsterländischen „Pöttkerspätte“ bis weit ins Emsland und in die Niederlande.
Von der Töpferstadt zur Textilstadt
Mit dem 18. Jahrhundert kam eine weitere wichtige Erwerbsquelle, die Leinenweberei, im 19. Jahrhundert dann die Baumwollweberei und mit ihr das Textilverlegerwesen nach Ochtrup. In Faktoreien wurden schließlich mit modernen halbmechanischen Webstühlen Baumwollgarne aus England verarbeitet. Allein die
1854 gegründete erste Weberei der alteingesessenen Familie Laurenz aber sollte Ochtrup zum bedeutenden Zentrum der westmünsterländischen Textilindustrie machen. Der umfangreiche Werkskomplex der Gebrüder Laurenz umfasste Spinnereien, Webereien, Färbereien und Stätten für die Bearbeitung des Grundstoffs Baumwolle sowie die Veredelung der Endprodukte.
Der imposante gründerzeitliche Verwaltungsbau des Architekten Beltmann an der Laurenzstraße erinnert noch heute an Größe und Einfluss der Firma Laurenz, aber auch an die industrielle Monostruktur mit der Dominanz eines Unternehmens, welches die Geschicke der Kommune wesentlich beeinflusste.
Von der textilen Monostruktur zum modernen Branchenmix
Die Krise der münsterländischen Textilindustrie in den 1960er Jahren stellte auch Ochtrup vor gravierende Probleme. Die Stadt sowie die ortsansässigen Betriebe nahmen die neuen Herausforderungen an, stellten sich mit neuen Produkten auf neue Märkte ein und vollzogen so als starker Standort für Klein- und Mittelbetriebe mit optimalen Rahmenbedingungen den Strukturwandel. Durch Ansiedlung von Unternehmen aus anderen Branchen entstand eine breite industrielle Basis. In neu erschlossenen Industrie- und Gewerbegebieten ist die Bekleidungsindustrie heute genauso beheimatet wie Kunststoff- oder Metallverarbeitung. Das ansässige Handwerk entwickelte sich vielfach zu kleinen und mittleren Betrieben, die mit speziellen Produkten Zulieferer der Großindustrie sind. Ein immer größeres Gewicht erhalten zudem Dienstleister.
1949 wurden die in Vergessenheit geratenen Stadtrechte erneut verliehen. Bis zur Neugliederung des Schulwesens verfügte Ochtrup über zwei große Schulen und fünf Bauerschaftsschulen. Heute wird das Schulangebot an dem Bedarf eines Mittelzentrums gerecht. Durch die kommunale Neugliederung wurden 1969 die selbstständigen Gemeinden Langenhorst und Welbergen Stadtteile von Ochtrup. Ochtrup hat heute ca. 20.000 Einwohner.
Ortsteil Langenhorst
Die Gemeinde Langenhorst wird erstmalig 1178 urkundlich erwähnt. Franko von Wettringen gründete mit Erlaubnis von Herzog Heinrich des Löwen ein Kloster zu Ehren Johannes des Täufers. Errichtet wurde das Kloster auf den Ruinen der ehemaligen Burg der Herren von Wettringen – heute Stift Langenhorst, das das langgezogene traditionelle Straßendorf Langenhorst noch heute prägt. In Folge eines Konventsbeschlusses wandelte man das Kloster 1576 in ein freiweltliches adeliges Damen-Stift um, das unter napoleonischer Herrschaft 1811 säkularisiert wurde. Bekannt wurde Langenhorst als Schulstandort durch die Lehrerbildungsanstalt, die später in eine Präparandie umgewandelt worden ist und durch eine 1841 gegründete Gehörlosenschule, die 1968 nach Münster verlegt wurde.
Ortsteil Welbergen
Auf eine fast 1000-jährige Geschichte kann das Vechtedorf Welbergen zurückblicken. Es ist bereits vor 1100 vom Kloster Metelen gegründet worden. Als Pfarrei erscheint Welbergen zuerst 1139, die kleine Alte Kirche stammt zum Teil noch aus romanischer Zeit. Die Herren von Welleberghe wohnten 1298 - 1330 auf der Wasserburg Haus Welbergen. Im Laufe der Jahrhunderte fanden verschiedene Besitzerwechsel statt, bis Ende der 1920er Jahre die Wasserburg an den Bankier Jordaan van Heek verkauft wurde. Nach dem Tode seiner Witwe Bertha Jordaan van Heek ging Haus Welbergen mit umfangreichen Grundbesitz in die Bertha-Jordaan-van-Heek Stiftung über. Haus Welbergen verfügt über ein umfangreiches Archiv, dessen wertvollster Teil die Korrespondenz aus dem Kreise des Freiherrn von Fürstenberg und der Fürstin von Gallitzin bildet.