Nachtigall und Siebenöhriger

Besonderheiten
Ochtruper Töpferkunst


Erstmals urkundlich erwähnt wird das damalige Ohtepe („Östlich von Epe”) 1134 in der Stiftsurkunde des Klosters ­Klarholz. Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt durch Kriege und Herrschaftsstreitigkeiten, wie der Spanisch-Niederländische Erbfolgekrieg (ab 1581), die Kriegszüge des Bischofs Bernhard von Galen und der 30-jährige Krieg (1618-1648).

Lange Zeit prägten Ackerbau und Viehzucht die Region. Im 17. Jahrhundert sorgte die Ochtruper Töpferwirtschaft mit handwerklicher Kunst für wirtschaftlichen Aufschwung. Ochtruper Töpferwaren galten als Besonderheit und wurden zur Blütezeit um 1800 in 23 Töpfereien als Schüsseln, Töpfe und Krüge mit den typischen Formen und Dekoren gefertigt. Besonders beliebt waren die Gefäßflöte Ochtruper Nachtigall und der praktische Siebenhenkeltopf. Die „Pöttker“ vertrieben ihre Waren auf Märkten und wanderten auf alten westmünsterländischen „Pöttkerspätte“ bis weit ins Emsland und in die ­Niederlande.

Ochtruper Nachtigall –
Wasserflöte für Vogelgezwitscher


Die Nachtigall aus den Ochtruper Töpfereien ist als kleines ­Musikinstrument und als keramisches Erzeugnis etwas ­Besonderes für die Stadt Ochtrup. Die Ochtruper Töpferin ­Elisabeth Eiling-Wilke dreht noch heute – wie schon vor Jahrhunderten – eine Gefäßflöte, die als „Nachtigall“ bezeichnet wird. Eine sogenannte Wasserflöte, die mit Wasser halb gefüllt einen gurgelnden Ton erzeugt und ohne Wasser einen hellen Pfiff. Durch geschicktes Blasen kann der Ton variiert werden, so dass er einem Vogel­gezwitscher ­ähnelt. Das eigentliche Blasinstrument, die Wasserflöte (nach ihrer äußeren Form ­benannt), ist in die Wandung des Tongefäßes eingesetzt.

Tonflöten sind allgemein in Europa verbreitet und werden fast überall als „Nachtigall“ bezeichnet. Daher ist es schwierig, in den Flöten der westfälischen Töpfer eine Eigenleistung zu sehen. Im Raum Osnabrück ist die Tonflöte als Vogel ­abgebildet. Die „Telgter Eule“ erscheint kaum verändert zu ­Beginn des 20.
Jahrhunderts im Elsass.

Nur die „Ochtruper Nachtigall“, die schon im 17. Jahr­hundert bekannt war und durch Bodenfunde belegt ist, findet keine ­Parallelen, außer in den benachbarten Niederlanden, von wo aus sie vermutlich mit spanischen Soldaten während des Spanisch-Niederländischen Erbfolgekrieges (ab 1581) nach Ochtrup kam.


Ochtruper Siebenöhriger –
praktisch mit sieben Henkeln


Der „Siebenhenkeltopf“ war ursprünglich in Ochtrup ein Nachttopf. Der Nachttopf als unersetzlich treuer Begleiter des Menschen ist mehr als 2000 Jahre alt. Wer im nächt­lichen ­Dunkel des Bauernschlafzimmers unter das Bett griff und nach dem Topf fingerte, hatte so immer einen Henkel in der Hand. So jedenfalls erklärt die Ochtruper Legende das stets griff­bereite siebenarmige Gebilde.

Warum sieben Henkel? Weniger Henkel hätten ja auch ihren Zweck erfüllt. Die urchristliche Zahl Sieben stand im Mittelalter für die sieben Werke der Barmherzigkeit, die sieben Sakramente und die sieben Gaben des heiligen ­Geistes. Auch gab es siebeneckige Zinnpokale und Zunft­becher. ­Vielleicht lag diese Idee bei der Schaffung des ersten ­Siebenhenkeltopfes zugrunde.

Der Autor Wingolf Lehnemann erwähnt in seinem Buch „Irdentöpferei in Westfalen 17. bis 20. Jahrhundert“, daß die Herstellung von siebenöhrigen Nachttöpfen sich nicht nur auf Ochtrup beschränkt habe. Scherbenfunde vielfältiger Art geben bisher keinerlei Hinweise über die Existenz eines derartigen Gegenstandes vor dem 20. Jahrhundert. Hermann Reckels schrieb 1930 von dem besonderen Ruf jener ­getöpferten ­Geschirre, die als nächtliche Haus­genossen ­früher nur ­tagsüber am Pflock neben dem Schlafzimmer­fenster im ­„rosigen Lichte atmeten“ und die die Ochtruper Töpfer ­bekanntlich mit sieben Henkeln versahen.

Die außergewöhnliche Kreation wird auch heute noch von Hand hergestellt – allerdings meistens als Aschenbecher.

Töpfereimuseum Ochtrup
Töpferstraße 10 · 48607 Ochtrup
Telefon 0 25 53 . 80 854

Öffnungszeiten
Montag geschlossen.
Dienstag bis Freitag 9 - 12 Uhr  · 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
Samstag von Mai bis Oktober 15 - 17 Uhr

Führungen nach Vereinbarung.
Eintrittspreis Erwachsene 1,00 EUR.

Informationen und Auskunft
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Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup e.V.
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