Jüdischer Friedhof Ochtrup

Zwischen Hellstiege und Laurenzstraße liegt der während der napoleonischen Besatzungszeit 1806-1813 angelegte 1221 qm große jüdische Friedhof. Der Begräbnisort ist das letzte sichtbare Zeugnis, das an die jüdische Gemeinde in Ochtrup erinnert, die mit der schriftlichen Ersterwähnung des jüdischen Einwohners Samson Ansel bis in das Jahr 1720 zurückverfolgt werden kann. Die ältesten datierten Grabmale sind aus dem Jahr 1824 und wurden für Joseph Salomon Ochtrup (Grabstein Nr. 38) und für Chaja, Tochter des Gumpel und Ehefrau des Chaver Rabbi Ascher Selig, Sohn des Chajim Ochtrup (Grabstein Nr. 14), gesetzt.

Unter dem Druck der antisemitischen Gesetze und Maßnahmen während der Zeit des Nationalsozailismus 1933-1945 gingen viele der 44 Personen zählenden Gemeinde nach 1933 in die Emigration. Die letzte Bestattung fand am 27. September 1937 für den Juden Alfred Lebenstein (Grabstein Nr. 6) auf dem jüdischen Friedhof statt. Im Jahr 1938 lebten noch 14 Gemeindemitglieder in Ochtrup. Nur der Kappenmacher Emanuel Gottschalk und seine Ehefrau Selma Gottschalk harrten in Ochtrup aus und wurden 1942 deportiert. Heute erinnern 19 „Stolpersteine“ des Künstlers Günter Demnig seit dem Jahr 2007 an die ermordeten jüdischen Mitbürger von Ochtrup.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwei weitere Gräber angelegt: Im Jahr 1945 wurde die Jüdin Alga Wilkom (Grabstein Nr. 24) nach Ochtrup zurückgebracht, die von britischen Truppen im Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit worden war. Sie starb am 7. Juli 1945 an den Folgen der Lagerhaft und wurde auf dem jüdischen Friedhof bestattet. Auch Else Heimann (Grabstein Nr. 43) fand ihre letzte Ruhestätte am 4. Dezember 1988 auf dem Friedhof an der Hellstiege. Sie kehrte als Überlebende des Holocaust in den 1960er Jahren als einzige nach Ochtrup zurück. Die 43 noch erhaltenen Grabmale aus Sandstein oder Betonstein auf dem jüdischen Friedhof wurden im Jahr 2000 mit Mitteln aus dem Denkmalförderungsfonds restauriert. Die Grabmale sind streng traditionell nach Osten ausgerichtet – in Richtung Jerusalem. Der Hintergrund dieses jüdischen Brauches ist die Überzeugung von der leiblichen Auferstehung. Ein jüdisches Grab wird für die Ewigkeit angelegt, die Totenruhe ist hier unantastbar. „Häuser der Ewigkeit“ oder „Ort des Lebens“ werden daher auch die jüdischen Gräber genannt.

Heute befindet sich der Friedhof im Besitz des „Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe“. Der Stadt Ochtrup obliegt die Unterhaltung und Pflege des Grundstückes. Seit 1986 ist das jüdische Kulturdenkmal in die Denkmalliste der Stadt Ochtrup eingetragen.


Die Friedhofsanlage ist geschlossen.
Auskünfte zu Besichtigungen erteilt die Stadt Ochtrup.


Ochtrup Jewish Cemetery

Located between Hellstiege and Laurenzstrasse and covering an area of 1221 square metres, the Jewish Cemetery was created during the time of the Napoleonic occupation between 1806 and 1813. The burial ground is the last visible reminder of the Jewish community which had existed in Ochtrup since at least 1720, the year from which the first written reference to a Jewish inhabitant, Samson Ansel, originates. The earliest dated gravestones are from 1824 and were erected in memory of Joseph Salomon Ochtrup (Gravestone No. 38), and Chaja, daughter of Gumpel and wife of Chaver Rabbi Ascher Selig, son of Chajim Ochtrup (Gravestone No. 14).

Under the pressure of the anti-Semitic laws and other measures during the time of the National Socialist (Nazi) regime from 1933 to 1945, many of the 44 members of the Jewish community emigrated after 1933. The last burial to take place at the Jewish Cemetery before the war was that of Alfred Lebenstein, on 27 September 1937 (Gravestone No. 6). In 1938, the Ochtrup community still numbered 14 members. Ultimately, only Emanuel Gottschalk, a cap maker, and his wife Selma Gottschalk still stayed on in Ochtrup and were deported in 1942. Today, 19 “Stumbling Blocks”, created by the artist Günter Demnig and erected in 2007, stand as a memorial to Jewish citizens of Ochtrup who were murdered by the Nazis.

After the end of the Second World War, two more Jewish graves were added: In 1945, Alga Wilkom (Gravestone No. 24) was brought back to Ochtrup, having been liberated by British troops from Bergen-Belsen Concentration Camp. She died on 7 July 1945 as a result of the treatment suffered by her during her captivity and was buried in the Jewish Cemetery. Else Heimann (Gravestone No. 43) also found her last resting place in the Jewish Cemetery on 4 December 1988. She returned to Ochtrup in the 1960s, the only survivor of the Holocaust to do so.

The 43 still existing gravestones of sandstone or concrete stone at the Jewish Cemetery were restored in the year 2000 with financing provided by the German Historical Monument Support Fund. In keeping with the strict tradition, the graves are aligned to the east – i.e. towards Jerusalem. The background to this Jewish custom is the belief in the resurrection of the body. A Jewish grave is made for eternity, and the peace of the dead is sacrosanct. This is why Jewish graves are also referred to as “houses of eternity” or “places of life”.

Today, the cemetery is owned by the “State Association of Jewish Communities in Westfalen-Lippe“. The Town of Ochtrup is responsible for the upkeep and care of the site. The Jewish cultural heritage site has been included in the list of historic monuments in Ochtrup since 1986.


The cemetery is not open for public access.
Information on possibilities for visiting can be obtained from the Town of Ochtrup.


Deutsch-israelischer Konzern engagiert sich für den jüdischen Friedhof

Nahmen die neuen Stelen am jüdischen Friedhof in Augenschein (v.l.): Bürgermeister Kai Hutzenlaub, Boaz Roseman (Vorstand Albaad Israel), Wolfgang Polak (Landesverband der jüdischen Gemeinden), Amnon Brodie (Aufsichtsratsvorsitzender Albaad Israel) und Wolfgang Tenbusch (Geschäftsführer Albaad Deutschland). Foto: Anne Eckrodt

Ochtrup, 11.12.2013 Der Feuchttücher-Hersteller Albaad engagiert sich für den jüdischen Friedhof an der Hellstiege. Vorstands- und Aufsichtsratsvertreter des israelischen Mutterkonzerns waren am Dienstag in Ochtrup, um unter anderem zwei Informations-Stelen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und des Friedhofs zu übergeben.

Es sind keine leeren Worthülsen, die Amnon Brodie an diesem trüben Dezembertag von sich gibt. Im Gegenteil. Der Aufsichtsratsvorsitzende des israelischen Mutterkonzerns der Firma Albaad wirkt ergriffen. „Für uns ist das hier ein sehr emotionaler Moment, ein weiterer Schritt im deutsch-israelischen Miteinander“, betont er am Dienstag. Zusammen mit dem Vorstand von Albaad Israel, Boaz Roseman, steht er vor dem Eingang des jüdischen Friedhofs an der Hellstiege. Neben den Männern eine der Info-Stelen, wie sie seit eineinhalb Jahren vielfach im Stadtbild zu finden sind.

Und doch ist diese – ebenso wie das Pendant auf der anderen Seite zur Laurenzstraße hin – etwas Besonderes. Bestückt mit Wissenswertem über die damalige jüdische Gemeinde in Ochtrup und den Friedhof, stellt sie auch ein Symbol des von Brodie angesprochenen deutsch-israelischen Miteinanders dar. Denn die Firma Albaad hat die Kosten für die beiden Stelen übernommen. Mehr noch: „Wir beteiligen uns künftig auch an der Pflege des Areals und der Gräber“, kündigt Wolfgang Tenbusch, Geschäftsführer von Albaad Deutschland, an.
Er war es, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Als er per Zufall den jüdischen Friedhof an der Hellstiege entdeckte und der Konzernleitung in Israel davon erzählte, „war die Freude bei den Herren riesig. Sie erklärten spontan, etwas dazu beitragen zu wollen, dass das jüdische Leben in Ochtrup in Erinnerung bleibt“, berichtet Tenbusch. Und Roseman fügt hinzu: „Ochtrup ist für uns ein wichtiger Standort. Wir sind stolz darauf, hier nun auch Teil der Gemeinschaft zu sein.“ Dass der Feuchttücher-Hersteller mit Sitz im Gewerbegebiet „Am Langenhorster Bahnhof“ das dauerhaft bleiben möchte, bekräftigt Brodie am Dienstag: „Wir sind sehr glücklich über die positive Entwicklung von Albaad Deutschland und wollen unser Engagement und die Investitionen hier in Ochtrup fortsetzen.“

Tageblatt für den Kreis Steinfurt
von Anne Eckrodt