Garten Haus Welbergen

Die Gartenanlage von Haus Welbergen

Im Gegensatz zur Geschichte der Bewohner des Hauses und den verschiedenen Bauphasen der Anlage steht die Erforschung der historischen Garten- und Landschaftsgestaltungen noch aus.

Im Nordosten des Anwesens liegt hinter der Mühle eine langgestreckte Gartenfläche, die, vergleichbar mit einer barocken Garteninsel, zum größten Teil von einer Gräfte begrenzt wird. Zwei 1730 datierte Torpfeiler markieren den Eingang zum Garten. Bis heute haben sich von der historischen Gestaltung am nordöstlichen Rand des Gartens ein kleiner als zentraler Blickpunkt errichteter Pavillon und mehrere alte Bäume erhalten. Wahrscheinlich gehören die als Naturdenkmale unter Schutz gestellten Bäume, zu denen eine mächtige Platane, eine große Eibe und eine knorrige Eiche gehören, noch zur Bepflanzung des barocken Gartens.

Lustgarten oder Wirtschaftsgarten

Ob es sich bei dem inzwischen mit Obstbäumen und als Bienenweide genutzten Garten um einen ehemaligen Lustgarten oder um einen großzügigen Wirtschaftsgarten handelt, ist bisher nicht bekannt. Belegt ist aber eine Pflanzenrechnung für Haus Welbergen aus dem Jahre 1740, die eine Lieferung von Tulpen- und Hyazinthenzwiebeln sowie Tabakpflanzen aus dem holländischen Harleem auflistet. Zudem werden in einem 1871 verfassten Brief mehrere Pomeranzen (Orangenbäume) erwähnt. Wo die anspruchsvoll zu kultivierenden Pomeranzen aufgestellt waren und wie man sie überwinterte, muss bisher offen bleiben.

Außerhalb der Gräfte wird der Zugang in einen weiteren interessanten Gartenbereich wiederum durch zwei 1730 aufgestellte Torpfeiler markiert. Vorbei am Kornspeicher verläuft der Weg zwischen der Hausgräfte und dem Gauxbach durch eine landschaftlich gestaltete Anlage mit schönen Solitärgehölzen und zahlreichen alten Rhododendren. Dieser Bereich gehörte einst zum vorgelagerten Wall der stark befestigten Wasserburg. Vermutlich wurde der Wall mit dem barocken Ausbau des Herrensitzes durch Franz Caspar Cajetan Bucholtz eingeebnet und im Laufe der Zeit mit verschiedenen Gehölzen bepflanzt. Bis auf eine mächtige alte Buche an der Südostecke des ehemaligen Wallbereichs wurden die meisten Solitärgehölze und die Rhododendren im 19. und frühen 20. Jahrhundert gepflanzt.

Waldgebiet und altes Gräftensystem

Der weitere Weg führt entlang des Gauxbaches durch ein kulturlandschaftlich interessantes Waldgebiet mit einem ausgedehnten Gräftensystem. Noch im 19. Jahrhundert war die vom Bachlauf und zwei Gräftenarmen umschlossene Fläche im Süden der Wasserburg nicht bewaldet und wurde vermutlich als Weide oder als Bleiche genutzt. Wahrscheinlich hat man das weitläufige Gräftensystem zur besseren Verteidigung des Herrensitzes und zur Wasserhaltung der breiten Hausgräfte angelegt. Möglich wäre aber auch die Gestaltung als Tiergarten zur jagdlichen Nutzung im 17. oder 18. Jahrhundert. Von der Familie Bucholtz ist jedenfalls überliefert, dass sie zwar bürgerlicher Herkunft war aber durchaus einen adeligen Lebensstil führte.

Beim Spaziergang über die gepflegten Wege des Waldes können aufmerksame Besucher noch zahlreiche Einzelheiten der historisch gewachsenen Kulturlandschaft entdecken. Ein historisches Gartenelement ist auch eine alte Hecke aus durchgewachsenen Hainbuchen, die an drei Seiten eine große rechteckige Fläche umgrenzt.

Vorbilder aus der Renaissance

Heute sind die Gartenanlagen auf der Vorburginsel für die meisten Besucher das attraktivste Ausflugsziel. Anstelle der einst mitten auf dem Hof stehenden Wirtschaftsbauten und zwei unmittelbar an die Nordmauer angebauten Gebäuden hat die Stiftung ab 1962 einen geometrischen Garten angelegt, der barocken Vorbildern nachempfundener ist. Die Pläne für die stimmungsvolle Anlage stammen von Egon Barnard, dem damaligen Leiter des Westfälischen Amtes für Landespflege in Münster. Zur Gartenplanung dieser Zeit gehört auch der Brunnen im Zentrum des Gartens, der nach Vorbildern aus der Renaissance angefertigt wurde. Der Garten ist besonders zur Zeit der Stauden- und Rosenblüte während der Sommermonate eine reizvolles Besucherziel. Jenseits der Marienkapelle befindet sich noch einer kleinerer Gartenbereich, der bis ins Zeitalter der Renaissance nachweisbar ist.

Lange Zeit wurde der Garten vermutlich als Nutzgarten bewirtschaftet und erst im 19. Jahrhundert in eine kleine landschaftliche Anlage mit ausgewählten Solitärgehölzen umgestaltet. Zu den ältesten Pflanzen gehören heute eine alter Buchsbaum und ein auffällig beschnittener Eschenahorn. An der Südseite der Marienkapelle liegt ein geschützter Sitzplatz zum Aufenthalt im Freien.

Wasserburg Haus Welbergen
Bertha Jordaan-van Heek Straße 1 · 48607 Ochtrup
Informationen und Führungen
Telefon: 0 25 53 . 13 33

Bertha Jordaan-van Heek Stiftung
Geschäftsführung Franz-Josef Melis
Bertha Jordaan-van Heek Str. 1 · 48607 Ochtrup
Telefon: 0 25 53 . 81 48

Öffnungszeiten
Die Gartenanlage ist tagsüber jederzeit zugänglich.

Führungen
Hausführungen für Gruppen außer an Sonn- und Feiertage nach telefonischer Anmeldung möglich.
Erwachsene 4,00 EUR, Kinder 3,00 EUR.

Informationen und Auskunft
Tourist Info Ochtrup
Veranstaltungs- und Werbegemeinschaft Ochtrup e.V.
Töpferstraße 2 · 48607 Ochtrup
Telefon +49 (0) 25 53 . 98 180
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